Samstag, 17. Februar 2018

Ich nähe mir einen Wollmantel


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Ich glaube, ich schreibe auch mal ein bisschen was über meine Näherei. Zwar erwähne ich das hier und da immer mal, aber ich könnte ja auch mal die Entstehung meines ersten Wollmantels dokumentieren. Der „erste“ ist es im Grunde nicht; im Zuge meiner historischen Näherei hat es da auch schon was gegeben, aber um die soll es hier ja gar nicht gehen.
Ich nähe also einen Mantel. Am zehnten Januar hat mein zweiter Nähkurs begonnen (der erste hat mir so gut gefallen, dass ich gleich weitergemacht habe).  Es sind zum Großteil wieder die Leute dabei wie beim letzten Mal, aber auch zwei neue sind dazugekommen. Die Runde gefällt mir echt gut und die Schneiderin ist auch klasse!

Mein Projekt hierfür: Die "Jakke" von Evlis Needle



Tag eins des neuen Kurses begann also damit, dass ich da mit einem Haufen Wollstoff angekommen bin und gehofft hatte, dass ich alles schon mal soweit zuschneiden kann. Bis unsere Kursleiterin sagte „Das Muster kenne ich, das hat hier mal eine genäht; das saß fürchterlich…“. Bämm! Das saß aus dem Grunde nicht gut, weil sie ein Hohlkreuz hatte und man die Jacke an den Seiten nicht anpassen konnte, ohne den Rest der Konstruktion zu schrotten. Schade auch… Also hieß es: man nähe ein Teststück. Zwar hatte ich dafür keine Wolle da, aber alte Bettwäsche muss da reichen. Zumindest um zu sehen, ob das mit den Maßen in etwa hinkommt. Das Fazit war, dass das Teil (an mir) tatsächlich ehr bescheiden sitzt. Was man sonst noch hätte machen können: die runden Features an den Seiten weglassen und stattdessen irgendwelche interessanten Taschen aufsetzen, aber dafür brauche ich (mit Verlaub) keinen Nähkurs, denn das Muster ist im Grunde auch mit den runden Seitenteilen wirklich einfach, und so habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Aufgabe gemacht.
Fündig geworden bin ich auf der Burda-Seite, auf der man jede Menge Einzelmuster finden kann. Allerdings muss man auch da eine Weile suchen, denn sehr viele der angebotenen Schnitte sind… ja wie soll ich das sagen? Einfach. Einfach im Sinne von „die Kleidungsstücke sind zwar nicht kompliziert zu nähen, haben aber auch keine schöne bis gar keine gescheite Passform“. Das erinnerte mich so ein bisschen an all die Strickmagazine, die man im Zeitungsladen bekommen kann. Da sind eine Menge Strickmuster drin für Krausrechts-Schals, die in den 80ern schon keiner gerne getragen hat. Ihr wisst was ich meine? Guckt man dann bei den höheren Schwierigkeitsgraden, werden die Schnitte interessanter, und auch da habe ich dann meinen zukünftigen Mantel gefunden. Das ist dieses Modell und mit Schwierigkeitslevel 4 kann man nicht so viel falsch machen, wenn man ein bisschen was lernen möchte.
Im nächsten Nähkurstermin meinte die Schneiderin, sie hätte den vor Jahren auch einmal genäht. Ich habe dann mit dem Zuschnitt angefangen und erschreckt festgestellt, dass der Stoff in der Breite um gute 15 cm geschrumpft ist. Gut, dass ich den Rest des Ballens gekauft hatte und so ein Stück mehr hatte. Aber nach dem puzzeligen Zuschnitt hatte ich auch nur noch Schnippel übrig; beste Verwertung würde ich sagen! Leider musste ich nochmal los und sowohl Gewebeeinlage als auch Futterstoff kaufen. Bei der Menge der Gewebeeinlage (die man ja nicht für jedes Teil braucht), habe ich mich leider auf die Verkäuferin verlassen, so dass ich noch ein zweites Mal los musste, um noch welche nachzukaufen.

Schnippschnapp, pappeldipapp; Gewebeeinlage aufpressen ist nicht gerade eine spannende Sache, aber ich kam nicht drumherum. So richtig gut hält das Zeug ja nicht…




An einem Wochenende habe ich mich mal hingesetzt und das Futter zugeschnitten. Das muss man normalerweise nicht versäubern, also konnte ich mir den Zirkus schonmal sparen. Aber eines habe ich beim Zuschnitt gelernt: ich werde nie wieder Teile in doppelter Stofflage zuschneiden. Eigentlich weiß ich auch, dass das nicht taugt, aber ich falle immer wieder darauf herein. Zeichnet man am Ende die Nahtkanten nochmal s sauber auf stellt man nämlich fest, dass die Teile im Bereich der Nahtzugabe  schon stark unterschiedlich sind, jedenfalls wenn man dicken Wollstoff verwendet. Es passt alles drauf, so ist es nicht, aber gleichmäßig ist anders. Und ich hätte lieber exakte Teile als vermeintlich gesparte Zeit. Die geht nämlich wieder drauf, wenn ich die Schnittteile zusammenstecke und aufgrund der nicht exakt gleichen Nahtzugabe darauf achten muss, die Nahtlinien übereinander zu bringen. Wären die Teile gleich, könnte ich sie aufeinander legen, aber so geht das in diesem Fall nicht.
Die Industriepaspeltaschen waren auch so eine Sache. Eigentlich wollte ich die aus dem gleiche Stoff wie den Rest nähen, aber das Ganze war dann viel, viel zu dick, und so habe ich einen anderen Wollstoff genommen. Der farbliche Kontrast gefällt mir gut und das ließ sich auch ganz prima verarbeiten.



Dieses Wochenende bringe ich die Taschenbeutel an und nähe das Futterinnere komplett zusammen. Dann bin ich auf den nächsten  Mittwoch gespannt, wenn ich mir im Nähkurs die nächsten Hinweise abhole, von denen in der knappen Anleitung nicht die Rede ist. Das ist ja ein Burdaschnitt, der irgendwann schon mal in einem Heft erschienen ist, in dem dann immer 20 oder mehr Muster drin sind. Ich habe ihn nun als Einzelmuster gekauft und finde in der Anleitung schon Hinweise auf das Heft und auf Bildverweise, die ich mit dem Einzelkauf nie erhalten habe. Liebe Burda, das ist Tinnef! Entweder packt Ihr das alles in das Einzelmuster rein oder ihr hört bitte auf, soviel Geld dafür zu verlangen!

Genug geärgert, irgendwie werde ich das schon hinschieben.

Mehr dazu zu gegebener Zeit.

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Samstag, 6. Januar 2018

Wollfeste 2018

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Wollfeste sind immer wieder schön, auch wenn ich Angst habe, sie eines Tages etwas über zu haben. Mein erstes habe ich 2014 besucht, als ich gerade mit dem Stricken angefangen habe, und so um 2016 herum hatte ich das Gefühl, dass die nun wie Pilze aus dem Boden sprießen; ähnlich wie damals all die "Mittelalter"märkte. Aber wie gut, man kann für sich ein paar herauspicken, denn man muss ja nicht auf jeder Hochzeit tanzen. 







03.-04.03.2018: Leipziger Wolle-Fest und Stoffmesse

Ich glaube zwar nicht, dass ich hinfahren werde, aber da ich von einigen weiß, die letztes Jahr dort waren und viel Spaß hatten, schreibe ich es einfach mal als Tipp mit hier rein. Mehr Informationen dazu gibt es auf deren Internetseite, und die findet Ihr hier. Falls es mit doch noch in den Kopf kommt, werde ich vielleicht einen Kurztrip daraus machen, aber gerade in dem Monat ist noch so einiges andere los.

15.-17.03.2018: Edinburgh Yarn Festival (UK)

Mein ganz klarer Favorit, nicht zuletzt weil ich zu der Zeit Leute treffe, die ich im Jahr nicht so oft sehe. Wir werden zu viert einen Tag dort verbringen und uns berieseln lassen und mit Sicherheit auch das ein oder andere einkaufen. Die Internetseite ist hier. Die Auswahl der Aussteller ist immer sehr besonders und trifft meinen Geschmack echt gut!

25.-26.08.2018: Hamburger Wollfestival

Lange Zeit war gar nicht so klar, was denn nun passiert mit dem Hamburger Wollfest, nachdem die bisherigen Veranstalterinnen verkündet haben, die Organisation nicht weiter führen zu wollen. Jemand anderes fand sich und lange, lange war Ruhe. Jetzt, ein halbes Jahr später, bekam ich einen Newsletter, der mir hier genanntes Datum als das für das Hamburger Wollfest angekündigt hat. Was es dort geben wird, wie das ganze aufgezogen wird, darüber weiß man noch nichts, aber lassen wir uns überraschen.

08.-09.09.2018: 10. Deutsches Ravelertreffen / Lüneburg Wollfühlparty

Seit einiger Zeit organisiert die Sabine (einige kennen sie vielleicht als Sasa Handmade) das 10. deutsche Ravelertreffen bzw. die Lüneburger Wollfühlparty. Sie gestaltet das sehr offen und hört sich auch um, was potenzielle Besucher denn so wünschen und /oder erwarten. Ich freue mich drauf, denn es ist in der Nähe und schreit förmlich nach einem Ausflug mit meinen Strickmädels.

20.-23.09.2018: Strikkefestival Fanö (DK)

Hier war ich noch nie, aber es soll ganz toll sein. Vielleicht schaffe ich es für einen kurzen Ausflug dorthin, mal sehen. Und wenn ich am Ende nur strickend am Strand sitze, das macht nichts. Ich behalte das im Auge. Die Seite dazu gibts hier.


22.-30.09.2018: Shetland Wool Week (UK)


Das war eines meiner Highlights 2017, aber dieses Jahr werde ich es leider nicht schaffen. Wer Lust auf eine Wollwoche  hat, in der es nicht primär ums kaufenkaufenkaufen geht, sondern in der man auch viele Künstler besuchen kann, sich treffen und Geschichten erzählen lassen kann, in der man Vorträge besucht und Höfe sowie Spinnereien, der sollte sich diese Woolweek gönnen. Es loht sich! Mehr Infos dazu hier. Das Konzept ist einfach toll!




Vielleicht ist für Euch ja auch etwas dabei. Bestimmt gibt es überall im Lande noch diverse weitere Wollfeste, aber alle kann ich eh nicht aufführen, und zu allen fahren kann und will ich sowieso nicht :) Aber vielleicht trifft man sich hier und da, das wäre schön!

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Mittwoch, 3. Januar 2018

Celtic Myth - mein Tuchstart 2018

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Das Tuch Celtic Myths ist eines der Tücher, die seit 2016 irgendwann in meiner Ideenkiste herumdümpeln. Es ist schlicht, hat aber eine Besonderheit: die Zopfmusterkante in Form eines keltischen Knotens. Während ich so herumüberlegte, aus welchem Garn ich es denn stricken könnte (eine Idee gabs von Anfang an), wurde das Design nochmals überarbeitet. Anfangs bildete sich am Anschlag eine Art Beule im Tuch, aber das ist nun vorbei. Man gut, ich hätte mich sonst auch geärgert. Kleine Vorschau:


Die Anleitung gibt es übrigens kostenlos, was ich für ein am Ende doch recht aufwendiges Tuch schon sehr großzügig finde. Mein Ziel für den Januar war "ein Tuch anschlagen", nur wusste ich nicht, welches es werden sollte. Auf dieses hier fiel nun die Auswahl. Wenn ich so weiter mache mit der Stashverwendung, wie ich gerade anfange, sieht es gut aus, aber werden wir mal nicht vorschnell in Jubel ausbrechen...

Beulenfrei habe ich mich nun also endlich, bestimmt zwei Jahre später, für genau die Wolle entschieden, die ich von Anfang an dafür hernehmen wollte: Wollmeise Pure in der Farbe "Unbeschreiblich".


Wobei die Farbe gar nicht so unbeschreiblich ist. Ungeachtet meines mittelmäßigen Fotos handelt es sich um ein graustichiges violett, schlammig, gedeckt und in meinen Augen echt schön. Das habe ich schon seit 2015 bei mir, und so passt es gut in meinen Vorsatz, Vorhandenes zu verwenden. Bevor ich damit zum Zopfmuster komme, habe ich eine Weile glatt rechts vor mir, was sich aber gut trifft. Am Freitag ist bei Mylys wieder Knitnight, und da benötige ich etwas, bei dem ich mich nebenher gut unterhalten kann. Mein "Morning Mist" von neulich wird auch dabei sein, denn da geht es auch nur dumm in der Runde herum, aber so habe ich dann doch noch sowas wie Abwechslung. Oder so :)

Mehr zu diesem Tuch werde ich schreiben, sobald es etwas zum Vorzeigen gibt.
Bis dahin;
vielleicht bis Freitag;

Diana :)

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Dienstag, 2. Januar 2018

Faserverzückter Jahresrückblick 2017

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Hier einmal der Jahresrückblick 2017 für Euch. 
Ohne alles, ohne Shownotes, nur Rückgeblicke. 

Viel Spaß!

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Freitag, 29. Dezember 2017

Morning Mist - Mustermist zum Jahresende

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Ich habe es geschafft: all meine Strick- und Spinnprojekte sind zum Jahresende fertig geworden. Kaum zu glauben, wenn man weiß, was bei mir im Dezember alles so los war. Weihnachten ist nun vorbei (schonmal gut) und ich habe noch ein paar wenige Tage, bevor unser Silvesterbesuch eintrifft. 

Als erstes Projekt für 2018 habe ich mir ein Oberteil herausgesucht, dass ich schon in 2016 hatte stricken wollen, nämlich das Shirt Morning Mist von Annie Rowden. Im Grunde ein einfachtes Shirt ohne zusätzliche Ärmel (wie nennt man denn das, was da dran ist - überschittene Ärmel?) und mit einem Musterstreifen hinten über den Rücken als Blickfang. Das Muster habe ich im April 2016 gekauft und die Wolle dazu einen Monat später beim Kieler Wollfest.

Pascuali - Bio Cotton LL 150m/50g

Ich hatte kurze Zeit später auch schon angefangen, aber das Muster hat mir so einige Probleme bereitet. In einigen Reihen wird ein Stich namens p2tog tbl verwendet, also zwei Maschen links zusammenstricken, aber durch die hinteren Maschen. Das geht so:


Bei normaler Wolle, die in der Regel ja auch etwas dehnbar ist, mag das ganz gut funktionieren. Aber mit meiner unelastischen Baumwolle, die ich fester gestrickt habe, damit das am Ende nicht so ausleiert, war das ganz schön fummelig und ist mir schnell auf die Nerven gegangen. Also aufgeribbelt und wieder weggelegt "für später". Später ist heute, aber das p2tog tbl wird einfach nicht toller. Durch das Gefummel ist das total unentspannt zu stricken und das mag ich nicht. Also: wieder alles aufgezogen und nach Alternativen gesucht. Natürlich habe ich mittlerweile meine Maschenprobe für das Garn verbummelt und ein anderes von mir getestetes Muster hat sich auch als untauglich erwiesen. Ribbel Nummer drei... Nun nochmal klassisch eine kleine Maschenprobe gestrickt und (wieder) neu angefangen. Statt dem verhassten p2tog tbl habe ich mich auf p2tog beschränkt und das Muster ein paar Reihen lang gestrickt, um zu sehen, ob das gar zu schlimm ist. Man sieht es, ja, aber nur wenn man es weiß oder eben mit Adlerauge schaut. Ich habe beschlossen: das ist super und ich lass das jetzt so. 


Was ich auch noch weggelassen habe (aber nur, weil ich da keine Lust drauf habe), ist das Muster im provisorischen Anschlag zu beginnen, so dass ich am Ende ein symmetrisches Paneel habe. Das darf so sein, und das wird gut.

So also habe ich den Start für mein erstes 2018er Projekt angelegt und freue mich sehr auf dieses Oberteil. Da es aus reiner Baumwolle besteht, schreibt es nach Sommer. Auch wenn ich nicht so der Sommermensch bin :)

Jetzt aber werde ich den Nachmittag nutzen und angefangene Nähprojekte weiterzubringen. Gestern schon habe ich ein Tanktop fertiggestellt, das seit August auf Arm- und  Halsausschnittbündchen wartet. Schnelle Sache, eigentlich, aber man muss halt Lust dazu haben. Heute wird noch eine Marlenehose mit Knöpfen versehen und ein Sweatkleid fertiggenäht. Eine Bluse habe ich auch schon repariert. Eieiei ich  scheine Nachholbefarf gehabt zu haben. Mehr dann zu all dem und dem Morning Mist im kommenden Jahr.

Einen guten Rutsch und ein großartiges neues Jahr wünsche ich!

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Dienstag, 26. Dezember 2017

Herdwick - Lake District Schafe

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Am Tage vier meines Kalenders bekam ich eine rein englische Faser. Das freut, denn ich mag die britische Wolle unglaublich gerne. Diese hier hatte ich mal in einer kleinen, gemischten Probe, so ist es toll, sie auch mal einzeln zu behandeln.

Bildquelle:
Von Alexander Baxevanis from UK - Lake District Grazing Sheep, CC BY 2.0,
 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9716965

Herkunft und Geschichte:
Diese Schafe gibt es ausschließlich im Lake District in Cumbria/England und ist eine alte britische Landrasse. Wo die genau herkommen, weiß wohl keiner, wohl gibt es aber diverse Vermutungen, dass sie mit der Spanischen Armada um 1500-nochwas hergekommen sind. allerdings haben sie keine Ähnlichkeit mit anderen Schafsrassen dort, und so wird sich das nie klären. Fakt ist, dass es die Herdwicks schon viele hundert Jahre gibt und dass sie zu den robusten Rassen gehören, was Wind und Wetter anbelangt. Im Grunde stehen sie immer draussen, auch im Winter, und im Lake District regnet es viel. Ausserdem sind sie wohl sehr standorttreu.                

Stapellänge:
Die liegt bei 7,5 bis 25 cm und die Fasern haben eine Stärke von 36-40 micron. Also schon ordentlich. Die Schafe sind klein, so wiegt ein Vlies ungewaschen zwischen 1,5 und 2 kg.
Wegen dem noch stark enthaltenen Restfett habe ich der Wolle eine Wäsche gegönnt, damit ich mir das Spinnrad nicht so zuschmaule. Danach habe ich die Wolle nur aufgezupft und dann versponnen. Ich Dummerjan habe allerdings vergessen, mir ein paar Fasern als Rohwollbeispiel beiseite zu legen, so dass ich die gar nicht zeigen kann.

Spinnbarkeit:
Ich habe hier auch wieder einmal den kurzen Auszug angewendet. Sicher ist der lange da auch super, aber der ist nun mal nicht mein Favorit. Die Fasern ließen sich aber so echt gut ausziehen. Ein paar Gnubbel habe ich hineinbekommen, aber das nicht so schlimm.
Das fertige Garn ist sehr robust und eignet sich meiner Meinung nach ehr für Taschen, Sitzkissenhüllen, Decken und dergleichen. Auf der Haut möchte ich es nicht so direkt tragen, aber als Übersocke oder sowas fände ich das glaube ich nett.



Fazit:
Wenn man ein robustes Garn herstellen möchte, ist Herdwick eine gute Wahl. Die Farbe ist ganz toll und die Fasern sind schnell und gut verspinnbar. Sollte ich mir diese Faser nochmal besorgen, müsste ich vorher überlegen, wofür, denn ich selber würde es nicht für alles verwenden wollen. Dennoch: gefällt!

Danke Karin!


Freitag, 22. Dezember 2017

Blue Faced Leicester

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Die Wolle stammt von einem BFL-Züchter namens Henry Seifert, wie sich im Forengespräch herausgestellt hat. Das ist wohl „der“ BFL-Mann in Deutschland, was gut zu wissen ist, falls man doch mal ein ganzes Vlies haben möchte.



Geschichte:
An den BFLs wurde schon seit dem 16. Jahrhundert herumgezüchtet und in Großbritannien ist BFL die am meisten verbreitete Zuchtrasse für Kreuzungen. Laut Wikipedia wurden die ersten Schafe erst 2014 nach Deutschland gebracht, was ich mir aber irgendwie nicht vorstellen kann. 2016 gab es wohl erst 21 registrierte Tiere.  Wer da mehr wissen möchte, könnte sich an oben genannten Herrn Seifert richten, der kann da garantiert was zu sagen.
Zum Aussehen: Die Schafe haben exzellente Wolle und sehr hochwertiges Fleisch. Das langohrige Schaf hat soetwas wie eine Römernase und sieht damit ganz putzig aus. Die Wolle glänzt leicht und hat eine Einzelhaardicke von 24-28 Micron. Das „blue“ im Namen kommt übrigens von der Hautfarbe des Kopfes, dass bläulich durch die Behaarung scheint. Bei einigen Schafen ist das aber auch einfach nur braun.



Stapellänge:
Die Locken haben viel Crimp und sind langgezogen etwa 7-15 cm lang. Ich habe die mit den Handkarden nochmal kardiert und eine unglaublich riesige Wollwolke erhalten, die gefühlt nichts gewogen hat.

Spinnbarkeit:
Der frisch gesponnene Faden wirkt durch das Restfett leicht wachsartig, aber ist im Grunde ganz weich. Die Fasern waren auch nicht rutschig, wie das bei fertigen Kammzügen der Fall sein kann. Die Fasern ließen sich im kurzen Auszug sehr gut ausziehen und das verzwirnte Garn ist einfach toll.



Fazit:
Das weiche aber dennoch griffige Garn könnte ich für alles verwenden, was direkt auf der Haut aufliegt. Nicht gerade für Socken, ich glaube, da ist das nicht stabil genug, aber für Tücher, Cowls und Oberteile sowie Handschuhe auf jeden Fall.
Bisher kannte ich BFL nur als Kammzug und liebe diese Sorte sehr. Aber als Rohwolle ist sie nochmal ganz anders. Die Aufbereitung der stark gewellten Locken ist etwas mühsam, lohnt sich aber. Mir gefällt BFL als Rohwolle extrem gut und da werde ich mich bestimmt mehr von besorgen.

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Donnerstag, 21. Dezember 2017

Nicht mehr lange und 2018 beginnt

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Wie ich mir mein (Werk)-Jahr 2018 vorstelle (ein 5-Punkte-Plan)

Pünktlich im Dezember  wird es für mich Zeit, zurück und auch vor zu blicken. Ein ganzes Jahr ist schon wieder vorbei und ich habe viel erlebt und viel geschaffen. Um diese Zeit ruft die Ziska von der Urbanen Spinnstube immer zum Faserverzückten Jahresrückblick auf (hieß der nicht mal faserverrückt?? Egal….), an dem ich auch gerne teilnehme. Den werde ich aber zu einem späteren Zeitpunkt machen, denn hier geht es nur um die Frage, was strebe ich in 2018 an? Für mich selber möchte ich versuchen, mein Leben weiter in entspanntere Bahnen zu lenken. Ich habe im letzten Jahr viele Dinge von mir abgeworfen, die dazu beigetragen haben, dass mir das Leben extrem laut und stressig erschien, und da möchte ich weiter dranbleiben. Doch hier geht es ja um Handarbeiten, um Werkeleien und um kreative Dinge. Also stelle ich die Frage: wie möchte ich das neue Werk-Jahr beginnen? Denn auch da brauche ich für mich zumindest den Versuch einer Struktur, damit ich nicht das Gefühl habe, 435678 Dinge gleichzeitig anzufangen und mich mit allem zu verzetteln. Schon blöd, wenn man so einen Ordnungszwang hat (hahaha). In meiner Jugend war das anders, da konnte es nicht chaotisch genug sein, aber so langsam kommt dann der Ordnungsfimmel durch (danke Papa!). Also was nun?

  • Alte Projekte abschließen

Ich hatte mir vorgenommen, alle begonnenen Strickprojekte aus 2017 zu beenden und auch das Spinnrad frei zu spinnen, so dass ich frisch wieder starten kann.  Erstaunlicherweise hat das gut geklappt, trotz dass ich doch noch einen Cowl angefangen hatte. Zwischen Weihnachten und Neujahr kann ich mich also mal voll aufs Nähen konzentrieren oder noch ein bisschen Färben. Das Spinnrad ist auch soweit leer; wenn ich noch etwas draufwerfe, dann Faserproben aus meinem Faseradventskalender, den ich momentan da habe. Ich habe es dieses Jahr nicht geschafft, meine tägliche Portion sofort zu verspinnen, dafür war einfach zu viel los. Dummerweise habe ich ein Alt-Ufo, das liegt und liegt und nicht weitergehen will. Ich wollte immer noch Kissenhüllen nadelbinden, aber irgendwie fehlt mir die Muße. Im Grunde bräuchte ich da auch nur jeden Abend zwei Meter Faden vernadeln, dann wird’s auch größer. Aber hätte-hätte-Fahrradkette, ich mache es nicht. Auch das soll nun endlich aus dem Schlaf erwachen und was werden, wenn auch nicht mehr in 2017. Wir warten das ab, gell?

  • Den Stash auf aktuelle Zahlen bringen

Wir alle nehmen uns glaube ich ständig vor, mehr aus dem vorhandenen Materialvorrat zu verwenden, so dass Dinge nicht ewig liegen, über die man sich irgendwann einmal beim Kauf so gefreut hat. In Sachen Spinnfasern bin ich da auf gutem Wege. Trotz der Teilnahme am Never Ending Gradient Club von Hilltop Cloud hatte ich am Ende weniger Spinnfasern in Besitz als vorher. Vieles habe ich versponnen und  einen kleinen Teil auch verkauft. Mein diesjähriges Ziel wird wie im letzten Jahr lauten: drei Kilogramm weniger im Stash. Ich versuche, häufiger zu spinnen und ich werde auch den Gradient Club abbestellen, sobald ich ein ganzes Jahr damit voll habe. So schön ich die Fasern auch finde, möchte ich mich doch nicht überhäufen damit. Noch besteht der leise Hauch einer Chance, daraus ein ganzes Projekt zu machen. In Sachen Wollknäulen muss ich etwas ranklotzen. Ich würde gerne vermehrt handgesponnenes verarbeiten, aber das ist nicht so einfach, weil ich oft nur kleine Mengen Garn von einer Sorte besitze. Wir schauen, was mir im Laufe des Jahres so an Kleinprojekten einfällt. Allerdings ist das mit dem Handgesponnenen eh so eine Krux, denn mit jeder Faser, die ich verspinne, erhöht sich die Menge der Garne automatisch. Ein Teufelskreis… Es gibt ja Menschen, die ein Jahr lang nur handgesponnene Garne verwenden wollten. Ob das so funktioniert hat, habe ich nicht verfolgt, aber vielleicht wäre das tatsächlich mal eine Option. Beim längeren darüber Nachdenken komme ich aber vermutlich zu dem Schluss, dass ich das gar nicht will, weil mir das am Ende zu eintönig ist oder ich mir aus der Not heraus einfach „irgendwelche“ Projekte dafür ausdenke, die ich gar nicht wirklich machen will. Kommt Zeit, kommt Idee, kommt Projekt.

  • Mehr Doku oder nur andere Doku?

Ich habe diesen Blog aufgrund meines Podcastes leider vernachlässigt, das fällt mir immer wieder auf. Mein Wunsch ist es eigentlich, wieder mehr Artikel zu schreiben. Ich habe zwar keine Ahnung, ob die überhaupt gelesen werden und ob Sie Euch auch gefallen, aber ich möchte das trotzdem tun. Ich möchte meine Projekte vorstellen und mit mehr Bildern versehen, die ich dann hier, außerhalb von Ravelry, auch zeigen möchte. Zum Thema „mehr Doku“ hatte ich kürzlich einen Artikel zum Thema Projektbuch geschrieben; auch das will ich möglichst sinnvoll füllen, wenn möglich auch mit Fotos. Ich war mal wirklich gut im Fotografieren (zumindest in der Analogfotografie), aber meine Faulheit reicht so weit, dass ich Projektfotos fast nur noch fix mit dem Handy knipse. Fatal, fatal, das gefällt mir nicht. Dabei ist es doch mit Digitalkameras so herrlich schnell und einfach gemacht, wenn man nicht gerade noch stundenlang am Bildbearbeitungsprogramm sitzt (meine Meinung dazu: entweder ich wähle gleich die richtigen Einstellungen für ein Foto, dass mir gefällt oder ich lasse es).
Ja und zu all dem kommt mir immer wieder die Frage in den Sinn: will ich den Podcast wirklich weitermachen oder mich lieber auf das Schreiben von Artikeln konzentrieren? Ich merke immer wieder, beides passt irgendwie nicht. Entweder habe ich davon erzählt, dann muss ich nichts mehr dazu schreiben. Oder ich habe etwas geschrieben, dann muss ich es ja nicht nochmal wieder erzählen. Wobei  bestimmt nicht jeder meinen Podcast hört und auch den Blog liest. Aber für mich ist das alles doppelt gemoppelt. Zu einer endgültigen Lösung bin ich auch da noch nicht gekommen. Leider gibt es meiner Meinung nach zu wenig Audiopodcasts im deutschsprachigen Raum (zum Thema Wolle und Co.), da so ziemlich jeder irgendwie bei Youtube Videos aufnimmt. Da wäre es schon schade, meinen zu beenden, aber was nützt es, wenn ich nicht zufrieden bin? Ich überlege da noch eine Weile drauf herum.

  • Bewusster kaufen

Ich spreche vermutlich einigen aus der Seele, wenn ich sage, ich kaufe auch einfach mal Material, was ich schön finde, ohne dafür auch nur die leiseste Idee eines Projektes zu haben. Einfach erstmal toll finden und haben. Das hat mir viele kleinere Portionen Garn oder Fasern beschert und ich habe Schwierigkeiten, das zu gescheiten Projekten zu verarbeiten. Das soll (mal wieder) anders werden.  Vielleicht schaffe ich es, nur für konkrete Projekte einzukaufen. Verbieten werde ich mir nichts, warum auch? Aber drüber nachdenken werde ich. Da dieses Jahr wieder diverse Wollfeste stattfinden, werde ich mich da mal umsehen, denn das macht mir sehr viel mehr Spaß, als irgendwo blind online etwas zu bestellen. Auch hier kann ich nur sagen: wir gucken am Ende des Jahres mal, wie gut ich mich hier und da zusammenreißen konnte oder eben auch nicht.

Wollfeste ansich gibt es ja mittlerweile gefühlt wie Sand am Meer. Ein paar wenige picke ich mir da heraus und gehe nicht zu allem, denn ich fürchte, dass man das auch irgendwann über haben könnte. Da wäre vom 15.-17.03.18 das Edinburgh Yarn Festival, auf das ich wieder fahren werde; nicht zuletzt, um mich mit meinen Freunden aus Edinburgh und Glasgow zu treffen.  Am 08. Und 09.09.18 findet das 10. Deutsche Ravellertreffen statt und man findet es unter dem Namen „Lüneburger Wollfühlparty“ in Lüneburg. Ich bin gespannt, was Sabine da so auf die Beine stellt und werde auf jeden Fall dabei sein. Irgendwann gibt es auch noch das 3. Heide-Wolle-Fest; ich schätze mal wieder Mitte Oktober. Einmal war ich schon da und das war klein und sehr fein. Vor einiger Zeit stand es mal im Gespräch, dass das Hamburger Wollfest nicht mehr stattfindet, weil die bisherigen Organisatorinnen das nicht mehr übernehmen möchten. Das ist auch noch aktuell, aber die Alternativveranstaltung, um die sich unter anderem die Dame hinter Vegarn kümmern wollte, besteht bisher nur auf dem Papier. Ob da noch was kommt, weiß bisher niemand, aber ich warte das mal ab. Ich muss auch nicht überall hin, aber wenn etwas in der Nähe stattfindet, fahre ich gerne um des treffen willens hin. Aber man sieht: es gibt schon einiges und die Versuchung, sich mit neuem Material und Ideen einzudecken ist groß.

Mein was-kaufe-ich-Gedenke erstreckt sich übrigens auch auf andere Dinge in meinem Leben. Manchmal mache ich die Schränke auf und denke bei mir, ich habe zu viele Stifte, zu viele Tees, zu viele dies und das, und es wird wirklich mal Zeit, all das konsequent aufzubrauchen. Bei Stiften ist das relativ schwierig, wenn man nicht permanent schreibt und malt, aber ich werde mir Mühe geben. Leider habe ich eine Schwäche für nette Schreiber, das macht es nicht einfacher.  Also noch ein Punkt für mich: Verbrauchsmaterial einfach mal verbrauchen. Auch Cremes, Seifen, trallala. Ich drücke mir die Daumen, denn ich fange immer hochmotiviert an und komme dann an einen Punkt, wo ich mir sage „och nur eins, das macht den Bock nicht fett“ und pling, bin ich verloren.

  • Entspannt werkeln

Ich bewundere Leute, die immer nur ein Projekt in der Mache haben. Ich weiß nicht, ob mir das nicht zu langweilig wäre, und so versuche ich mal, mir immer so zwei Strickprojekte zu halten und ein Projekt auf dem Spinnrad. Das sind alles so Vorsätze, die man am Jahresanfang trifft (hehe) und doch nicht hält, aber wir warten das mal ab. Das Fazit kommt dann im nächsten Jahresrückblick. Jedenfalls möchte ich mich nicht von irgendwelchen Deadlines getrieben fühlen. Die MMM-Aktion bei Ravelry, an der ich bisher immer teilgenommen habe, ist ansich super, nur wenn es auf Monatsende zugeht, denke ich immer bei mir, ich müsse dies, das und jenes noch fertig bekommen. Muss ich gar nicht, aber das ist ein Automatismus in meinem Kopf, den ich nicht ganz ablegen kann. Ich arbeite daran… Sollte es die Aktion in 2018 wieder geben, werde ich aber mitmachen. Zeitgleich werde ich ein Projektbuch führen (haha da kann ich dann meine Stifte „aufbrauchen“), weil ich da bei Ravelry ein bisschen angesteckt wurde. Ich mag auch mal wieder schreiben, malen und kleben. Wie entspannt ich da vorankomme, liegt am Ende bei mir selber, und ich mag das dokumentieren auch gar nicht missen.





Ja. So sieht es aus.

Mit all dem erzähle ich vermutlich keinem etwas Neues. Zum einen denken viele so, zum anderen unterscheidet sich das nicht so sehr von dem, was ich mir jedes Jahr vornehme. Vermutlich werde ich all das auch noch im Jahresrückblick erzählen, aber nicht jeder hört meine Audiofolgen. Sei’s drum, ich mag es, mir solche Dinge aufzuschreiben und am Ende zu gucken, was sich getan hat.

Ich wünsche Euch allen entspannte Weihnachtstage 
und einen guten Start in das neue Jahr. 

Mögen Euch nur gute Dinge widerfahren, möget Ihr gesund und glücklich bleiben (oder werden) und habt Spaß an allem, was Ihr tut! Vor allem: seid gut zueinander! Die Welt ist schlecht geworden, und man kann dem nur entgegentreten, wenn man selber mehr Acht auch auf andere gibt und sich dabei selber auch nicht vergisst.
Alles Gute! Ich freue mich, Euch auch in 2018 wieder in meiner Heilen-Welt-Werkelseifenblase willkommen zu heißen. Ahoi…

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Montag, 11. Dezember 2017

Gotländisches Pelzschaf

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Der Tag 2 des Faseradventskalenders brachte mir gotländisches Pelzschaf. Gotlandschafe, ich liebe sie. Allein schon wegen der Farbe!



Gotländische Pelzschafe:
Der Vorgänger des Gotlandschafes ist als nordeuropäisches Kurzschwanzschaf bekannt, das es schon seit der Eisenzeit gibt und bis ins 13. Jahrhundert auf dem Wappen Gotlands zu finden ist. Diese Schafe gibt es also schon ewig und es wurde durch die Jahrhunderte hinweg versucht, die Rasse immer weiter zu verbessern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es verschiedene Arten von Gotlandschafen gibt. Da sind gehörnte Schafe und auch ungehörnte. Letztere sind dann als das "Gotlandschaf" bzw. auch Pelzschaf bekannnt. Die gehörnten sind die sog. "Guteschafe", von denen es nur noch ganz wenige gibt. Es gibt sehr viel über beide Arten zu schreiben, aber das führt hier zu weit. Es soll ja nur ein kleines Portrait werden. Von den Pelzschafen jedenfalls gibt es deutlich mehr, aber auch die sind eine gefährdete Rasse.
Wie sieht das Pelzschaf denn nun aus? Wie auf dem Bild zu erkennen sind die Schafe hornlos, grau und lockig. Die Lämmer werden schwarz geboren und werden dann mit der Zeit heller. Einige wenige bleiben jedoch schwarz. Die Böcke können mit ihren 80 cm Stockmaß bis zu 90 kg schwer werden, die Damen sind da (wie so oft) kleiner und leichter. Die Wollausbeute liegt so um die 4-6 kg. Wichtig zu wissen wäre, dass die Wolle schon filzt, wenn man nur an Wasser denkt. Sie muss also vorsichtig gewaschen werden, sonst hat man nur noch einen Klumpen. Für Filzprojekte eignet sie sich somit hervorragend!

Bildquelle:
Von Jens Bonderup Kjeldsen - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16629938


Stapellänge:
Ist auf dem Bild schlecht zu erkennen. Aber ziemlich kurz, wenn ich einzelne Haare mal so rauszupfe. So um die 4 cm sind das wohl. Auf dem Foto sind sie eigentlich nur auseinander gezogen.






Spinnbarkeit:
Ich habe die Fasern, so wie sie sind, im langen Auszug gesponnen. Mein Versuch, das im kurzen zu machen, scheiterte kläglich. Das geht bei kurzen Fasern, aber diese hier wollten das einfach nicht. Den langen Auszug fand ich aber auch mühsam, weil mir der Faden trotz gut Drall immer wieder riss. Man muss hiermit etwas üben glaube ich, dann geht das auch ohne Abrisse.

Fertiges Garn:
Das ist nicht mehr so weich wie die Fasern ansich, aber durch den langen Auszug schön fluffig. Das Garn würde ich für alles verwenden, was nicht so ganz direkt auf der Haut liegt. Oberteile (mit etwas darunter getragen) wären gut, eine Stola oder Handstulpen (an den Händen stört mich robustes Garn nicht). Für Mützen finde ich es auch ok.




Fazit:
Durch die kleine Probe bin ich im Grunde bei "ist etwas lästig zu verpinnen" hängen geblieben. Hier fehlt dann einfach die Routine. Ich habe Gotland bisher nur im Kammzug versponnen (und das ziemlich viel), das ist doch noch mal was anderes. Aber das Garn ist schon toll!

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Danke Angela für die tolle Wolle!


Sonntag, 10. Dezember 2017

Rauwolliges Pommernschaf aka Heidschnucke

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Mein Faseradventskalender begann mit einer Mystery-Faser, denn eigentlich sollte es sich um rauwolliges Pommernschaf handeln. Es stellte sich allerdings im Gespräch heraus, dass das wohl ehr eine Heidschnucke sei, weil sich in der Wolle viele Grannenhaare befanden, die ein rauwolliges Pommernschaf so nicht hat. Das ist gar nicht schlimm, denn Heidschnucke ansich habe ich noch nie versponnen. Das Spenderschaf lebt auf der Arche Warder (in Warder; Schleswig-Holstein).



Herkunft:
Die Heidschnucke ist ein Landschaf, das angeblich von den Mufflons abstammt. Die Herkunft des Namens finde ich ganz putzig, denn Schnucke kommt von Schnökern (=Naschen). und die Heidschnucke nascht halt viel Heide. Das ist unerlässlich, denn das Gehülz, was die Heide am Wachsen und Gedeihen hindert, wird von ihnen abgeknabbert, so dass die Heidelandschaft auf natürliche Weise erhalten bleiben kann. Wenn die Heide im Spätsommer blüht, zerreißen die Schnucken die Spinnweben im Heidekraut, so dass Bienen ungehindert ihren Tätigkeiten nachgehen können. Praktisch oder? So eine Heidschnucke wiegt um die 45-60 kg, kann bis zu 15 Jahre alt werden und 50-60 cm groß. Und Hörner haben sie auch, Männlein wie Weiblein. Das Fleisch soll auch sehr lecker sein. Ich muss zu meiner Schande gestehen, es noch nie gegessen zu haben, obwohl ich gar nicht weit von der Lüneburger Heide entfernt wohne.

Wer mehr über die Tiere wissen will, kann hier oder hier nachlesen. Auch gibt es dort weitere Bilder; die Tiere gibt es nicht nur in grau.

Bildquelle: Von Quartl - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8470198



Die Lämmer sind zunächst schwarz und nehmen im Laufe der Zeit die Farbe der Eltern an.

Stapellänge:
So um die 10 cm würde ich sagen. Die ganz weichen fasern sind kürzer, die Grannenhaare länger.



Haptik:
Im ersten Moment fühlt sich die Wolle recht robust an. Durch die weichen Stellen relativiert sich das teils wieder. Ich habe alles nochmal mit den Handkarden gemischt und habe so zwar immer noch eine robuste Faser, aber nicht mehr "ganz so schlimm". Was heißt schlimm? Es kommt immer auf die Verwendung an.

Spinnbarkeit:
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber die Fasern ließen sich superleicht verspinnen. Ich habe den kurzen Auszug verwendet und der Faden ist auch ziemlich gleichmäßig geworden. Das fertige Garn ist immer noch robust und nichts, was ich für KLeidung verwenden wollen würde. Auch nicht für "Obendrübers", ehr für Decken, Teppiche oder für Kissen- oder Sitzhüllen. Taschen kann ich mir daraus auch gut vorstellen.



Fazit:
Ich kenne einige, die über Heidschnucke schimpfen. Bisher finde ich sie ganz nett, allerdings wäre ein ganzen Vlies mir auch bei weitem zu viel. Sollte ich sie nochmal verspinnen wollen, würde ich mir vorher überlegen, was daraus werden soll und so die Menge abschätzen. Die Farbe ist übrigens ganz toll; ein schönes, helles. lebendiges grau. Aber da ich eh ein Naturfarbenfan bin, kann man mich da auch sehr schnell begeistern. Das rauwollige Pommernschaf behalte ich aber dennoch im Hinterkopf.

Danke Tanja für die tolle Faser, auch wenn das nun doch kein Pommernschaf war :)


Samstag, 25. November 2017

24 Schafsrassen im Test – Der Faseradventskalender 2017

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Alle Jahre wieder habe ich im Dezember einen Faseradventskalender am Regal hängen. Alle Jahre ist gut, das ist nun das dritte Mal. Im ersten Jahr habe ich mir einen von Spinnert und Gewollt gekauft, im zweiten Jahr habe ich dann bei einem selbstgemachten mitgemacht. So ist es auch dieses Jahr. Auf meiner Lieblingsplattform Ravelry wurde in der Chantimanou-Handspinnerei-Gruppe zu verschiedenen Mitmachkalendern aufgerufen und ich habe mich für den mit Rohwolle entschieden. Jede Teilnehmerin bekam einen Tag zugewiesen und sollte 24 Päckchen mit je 10 Gramm Rohwollfasern bestücken.  Die gute Tanja hat sich also 24 große Kartons zuschicken lassen und alles umsortiert und zu uns zurückgesandt. Nun liegt er da, der tolle Kalender, mit 24 toll verpackten Wollportionen und grinst mich erstmal noch an.


Der erste Dezember fällt dieses Jahr auf einen Freitag (eigentlich perfekt, um gleich mit dem Spinnen zu beginnen). Durch einen echt vollen Terminkalender weiß ich aber schon vorher, dass ich es dieses Jahr nicht schaffen werde, den kompletten Kalender zeitnah zu verarbeiten. 

Dieser Kalender wird für mich glaube ich einen guten Lerneffekt haben. Wie kann man besser über die Spinnbarkeit von Fasern urteilen, als mit möglichst unveränderten Fasern? Unsere Vorgabe war, dass die Rohwolle gewaschen sein sollte und ggf. auch gekämmt. Es ging nicht um ungefärbte Kammzüge, sondern um die wirkliche Rohwolle. Jeder, der immer schon mal verschiedenste Rassen testen wollte, ist hier gut aufgehoben, weil zehn Gramm pro Faser eine gute Probiergröße abgibt. Ich war echt gespannt, was die Teilnehmer sich so ausgedacht haben und an was für Fasern man so gerät. Einiges kennt man sicher schon, aber anderes wiederum gar nicht. Ich möchte Euch hier den gesamten Kalenderinhalt vorstellen und über die einzelnen Fasern ein bisschen was berichten. 

Nun warte ich noch bis zur nächsten Woche und freu mich drauf :)

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Sonntag, 12. November 2017

Houtland - eine gefährdete Schafsrasse

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Diese Schafsrasse kannte ich bis vor Kurzem gar nicht. Als ich vor einiger Zeit einmal von jemandem angeschrieben wurde, ob ich nicht noch Seife schicken könnte, wurde mir im Tausch kardierte Rohwolle von eigenen Schafen angeboten. Ein bisschen Skudde habe ich bekommen und auch Houtland. Ich musste erstmal nachlesen, was das denn wohl ist. Viele Informationen gibt es leider nicht.

Die Rasse stammt wohl ursprünglich aus Belgien und ist eine Mischung aus dem französischen Sambre-et-Meuse und Vlaamse-Schafen. So weit, so gut, die beiden Rassen kenne ich auch nicht und werde mich auch da nochmal einlesen. Diese Rasse jedenfalls trat im 18. Jahrhundert erstmals als Fleischrasse auf und wird seit dem 19. Jahrhundert unterteilt in die Farbe der Köpfe. Es gibt sie nämlich einmal mit rotem Kopf und mit rot gesprenkeltem Kopf. Wo da genau der Unterschied liegt außer in der Farbe, weiß ich leider nicht.

Hier gibt es Infos und Bilder zum Schaf.

Die Böcke sind mit 83 cm etwas größer als die Damen, die bringen es nämlich auf ca. 73 cm. Erstere wiegen um die 87 kg und letztere gerade mal 60. Die Houtlands bringen oft Zwillinge und manchmal sogar Drillinge zur Welt. Nichts desto trotz gibt es nicht mehr sehr viele Tiere. Seit 1998 ist diese Rasse im sog. Herdbuch aufgeführt. Das ist ein von einem Zuchtverband geführtes Buch für beglaubigte Abstammungsnachweise. Die Rasse ist sehr gefährdet; ich habe gelesen, dass die letzte Zählung (leider ohne Jahresangabe, schlau…) 119 Schafe in 9 Herden ergab. Ich habe da also etwas ganz besonderes bekommen.




Die Wolle ist weiß und fühlt sich zunächst griffig, aber nicht übermäßig kratzig an. Die einzelnen Fasern sind etwa 6-8 cm, lang, soweit erkennbar. Leicht kräuselig sind sie, eben griffig. Spinnen ließen sie sich ganz gut, aber es war noch eine Menge Wollfett drin, so dass ich kleine Gnübbelchen nicht vermeiden konnte. Naja ich hätte langsamer spinnen können, aber das ist ok für mich. Die Rolags waren recht fest, so dass ich mich für den kurzen Auszug entschieden habe.



Gesponnen habe ich die Wolle auf dem Spinnrad, wobei das auch eine gute Handspindelwolle ist. Das fertige Garn hat ca. 348m auf 100g und ist nicht eben weich. Aber ich kann sie mir sehr gut für haltbare Socken oder auch für Armstulpen vorstellen. Für beides würde das reichen, wobei die Socken dann ehr kurze Schäfte hätten. Vielleicht färbe ich den Strang auch noch, aber dazu dann ggf. mehr.


Fazit: ich mag diese Wolle gerne und sage danke an Katharina, die sie mir zur Verfügung gestellt hat!

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Donnerstag, 2. November 2017

Folge 009: Nachgereicht

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Es war länger still, aber nun reiche ich noch alles nach, was sich seit der Folge 7 (die Shetlandfolge war im Grunde ja eine kleine Sonderepisode) so angesammelt hat. Ich berichte über:



Etwa die Hälfte der Folge dreht sich um das Handspinngildenzertifikat und was da in etwa abgefordert wird. 


Ich muss mich da auch berichtigen. Undzwar bin ich mir nicht sicher, ob nur die Themenblöcke als solches und ganzes bewertet werden oder tatsächlich jeder der 20 Lerneinheiten. Dann wären es nämlich nur fünf Arbeiten, die man zur Bewertung einreichen muss. Schnell nachgeschaut: ja, es werden die fünf Themenblöcke als solches bewertet. Entschuldigt den Fehler.

Ansonsten...
ich hoffe, Ihr hattet Spaß an dieser Folge. Ahoi!


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Mittwoch, 1. November 2017

Jamieson's of Shetland - eine tolle Wolle

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Vor einiger Zeit habe ich ja einen Trip auf die Shetlands gemacht und Euch auch schon ausführlichst davon berichtet. Unter anderem haben wir die Spinnerei von Jamieson's of Shetland besucht und auch ein wenig eingekauft. Die ersten Knäule sind verstrickt und haben den Praxistest bestanden.

Gekauft hatte ich die Spindrift in (wen wunderts) gedeckten Naturtönen und gestrickt habe ich daraus eine Mütze. Das ist ein Gemisch aus dem Sockhead Slouch Hat von Kelly McClureund dem Thotful Spot Hat von Sarah Shira. Beides sind kostenlose Muster, und ich weiß auch nicht wirklich, ob die sich in der Krone so arg unterscheiden. Das Bündchen habe ich gerne dicker, also habe ich wie bei dem Sockhead begonnen und bin dann auf das andere Muster übergegangen. So oder so, beide Muster sind sehr einfach und schnell zu stricken, kostenlos sind sie auch, und die Mütze passt nicht nur wegen ihrer Farbe zu so ziemlich allem.

Die Wolle ist nicht die Weichheit in Person, aber das stört mich gerade auf dem Kopf gar nicht. Sie hat Struktur, ist griffig und lässt sich ganz wunderbar verstricken.


Die Mütze ist mit 40 g ganz leicht und trotzdem warm. Man kriegt alle Haare unter und sonst? Ich glaube, das wird meine neue Lieblingsmütze für diesen Winter. Erstmals ausgetragen habe ich sie vor ein paar Tagen auf der Überfahrt nach England. Somit gibt es auch ein Tragefoto, nachdem ich vorm Frühstück nochmal schnell an Deck gegangen war, um den Sonnenaufgang anzusehen. Am Abend zuvor war es dank Sturm ratsam, sich lieber festzuhalten, weil sonst die Kamera oder man selber weggefegt wurde. 


Naja, mein Mann hätte sagen können, dass ich das Krönchen nochmal besser hätte drappieren können, aber was solls. 

Was will ich mit diesem Post sagen? Dass die Jamiesons-Wolle sich innerhalb kurzer Zeit in meine persönliche Lieblingswolliste geschlichen hat und ich froh bin, gleich für drei kleine Projekte welche mitgenommen zu haben. Wer weiß, vielleicht lerne ich in 2018 ja doch endlich das Fair-Isle-Stricken. Denn dann steht schon fest, werde ich mir aus der Wolle einen Pullover stricken.

Windige Grüße von der englischen Ostküste!


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Donnerstag, 19. Oktober 2017

60° North

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Eine kleine Weile ist es nun schon her, seit ich auf den Shetlandinseln war. Einen kleinen Audiobericht gab es auch schon, doch im Grunde gibt es so viel mehr von dem zu berichten, was ich so gesehen  und erlebt habe und ein paar Fotos bin ich hier und da auch noch schuldig. Außerdem vernachlässige ich den Blog als solches mehr, als mir lieb ist, darum wird dieser Beitrag vermutlich etwas länger als die letzten.

Am Freitag war also Herbstanfang und ich habe den späten Abend damit verbracht, auf mein verspätetes Flugzeug zu warten. Wenn man all dem so folgt, was auf dem Hamburger Flughafen so passiert (oder eben auch nicht), könnte man meinen, dass die die Sache mit dem Flugbetrieb und der Abfertigung zum ersten Mal machen. Sobald man in der Luft ist, wird aber alles gut, denn in Edinburgh angekommen lief alles trotz später Stunde aalglatt. Geschlafen habe ich nicht viel, was zur Folge hatte, dass ich auf die Frage zum Frühstück „Tea or coffee?“ einfach nur „yes“ gesagt habe und mich dann dafür entschuldigt habe, dass mein Hirn bei dem Wort Kaffee kurzzeitig ausgesetzt hat. Frisch gestärkt habe ich mich dann mit Katrin (bei Ravelry als Kaete unterwegs) am Flughafen getroffen um weiter auf die Shetlands zu fliegen. Es war schon süß wie es da stand, die kleine Propellermaschine unter all den großen Flugzeugen. Um die 30 Leute hatten Platz; ein Platz, der sehr schick mit Harris Tweed an der Kopfstütze verkleidet war. Logan Air gehört übrigens zu den wenigen Fluglinien, die ich auf Kurzstrecken kenne, die noch kostenlos Snacks und Getränke verteilen, und so hatte ich bei Sonnenschein fein Tee und Salzbrezeln. Der Flug ging knapp anderthalb Stunden und die Landebahn spannt sich über den gesamten südlichen Inselzipfel. Eine Schranke wird geschlossen, denn die normale Straße führt direkt über die Landebahn. Steht man dort mit dem Auto, blickt man schön aufs Meer hinaus, während die kleinen Flugzeuge landen und starten. Das ist amüsant anzusehen. Mit dem Flieger selber kommt man ziemlich flach über dem Wasser an und nach dem Aufsetzen wird auch sofort stark gebremst; ich vermute, weil man sonst am Ende der Landebahn einfach herunterfällt und einen neuen Anflug proben muss. Vom Flughafen aus benötigt man mit mit dem Bus etwa eine Stunde bis nach Lerwick.

Lerwick ist die Hautstadt der Inselgruppe, die geografisch etwa auf der Höhe von Bergen / Norwegen liegt. Norwegen ist ein gutes Stichwort, denn ich habe gelernt, dass die Shetlands sich nicht so sehr zu Schottland zugehörig fühlen, sondern aufgrund seiner Vergangenheit ehr nordisch heimisch sind. Die Shetlands werden schon seit der Bronzezeit bewohnt. Die Pikten kamen, danach die Wikinger und kurz vorm 13. Jahrhundert waren die Inseln dann Norwegen unterstellt. Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts gelangten die Inseln als Sicherheit für eine Mitgift an die Schotten und dabei ist es geblieben. Der nordische Einfluss blieb aber. Auch wird dort kein gälisch gesprochen, denn man hat seine eigene „Sprache aus der Vergangenheit“, die von den orwegischen Einwanderern gebracht wurde und Norn heißt. Es gibt’s zwar nur noch wenige, die sich da gut auskennen, aber im Umgangssprachgebrauch fließen da immer mal Begriffe oder Ausdrücke ein. Die Stadt Lerwick ansich ist im Grunde aber sehr britisch und ähnelt architektonisch den meisten Städten, die ich in Großbritannien so gesehen habe. Allerdings sind auf der gesamten Insel die Häuser niedrig gehalten, was mit dem starken Wind zu tun hat und der salzigen Luft, die an allem zerrt. Ab und zu sieht man mal einen Baum hier und da zwischen den Häusern stehen, aber ausserhalb wächst im Grunde fast nur Heide. Vor langer Zeit gab es dort sehr viel Baumbewuchs, aber irgendwer, der vor hunderten von Jahren auf der Insel landete, hat nach und nach alles abgeholzt und eine Neubepflanzung hat sich seitdem nie wieder durchsetzen können. Die Versuche waren da, aber nichts hat sich dort wirklich gehalten. Gant ähnlich sieht das mit Gemüsegärten aus. Solche Anpflanzungen werden zumeist unter Gewächshäusern gezogen, weil alles andere einfach witterungstechnisch nicht gut funktioniert. Über die Insel verteilt sieht man in den Feldern immer wieder kleine mit Steinmauern umrandete Bereiche, in denen zumindest ein wenig was wächst, weil ein bisschen Wetterschutz vorhanden ist. Viel muss also vom Festland (Festland, naja, aus GB eben) importiert werden, was zum Leben gebraucht wird. Aber: die Shetlands leben zum größten Teil vom Fischfang und versorgen den größten Teil Großbritanniens mit Fisch. Das ist auch mehr als naheliegend, denn fährt man über die schmale, lange Hauptsinsel, sieht man eigentlich immer das Meer; entweder die Nordsee oder den Atlantik.

Abgesehen von den Fischen ist die Tierwelt übersichtlich, aber absolut sehenswert. Wer sich für Vögel interessiert, wird da bestimmt auf seine Kosten kommen. So gibt es zum Beispiel Papageientaucher; die sind wirklich knuffig! Leider waren die schon auf dem Weg in den Süden; da ist ehr der Juni der beste Monat um sie zu sehen. Es gibt auch viele Otter (ich liebe Otter!), und so kann es schonmal vorkommen, dass man an der Straße ein „Achtung Otter“-Schild sieht, denn die flitzen gerne mal umher. Wenn man Glück hat und aufs Meer herausfährt, kann man sogar Wale sehen. Selbstverständlich findet man auch Shetland-Ponys, die in der Vergangenheit als Arbeitstiere gehalten wurden, heute aber nur noch zum Liebhaben dort sind. Kühe gibt es (wenige), und natürlich Schafe (viele). Über die Schafe habe ich aber etwas gelernt. Es gibt die reinen Shetlandschafe, die in den Bergen stehen und in der Heide umherlaufen, und es gibt diejenigen, die mit irgendeiner anderen Rasse gekreuzt wurden und zumeist für die Fleischerzeugung verwendet werden. Die Wolle der reinen Shetlands ist weit feiner, weshalb Spinnereien wie Jamiesons sehr darauf achten, die unverkreuzte Wolle zu verarbeiten. Die Kreuzungsrassen werden in Weiden rund um die Höfe gehalten, weil sie nicht robust genug für das Leben komplett im Freien sind. Aha, also Augen auf beim Shetlandkauf, da gibt es Unterschiede!

Ich weiß nicht genau, wie viele Spinnereien es auf den Inseln gibt. Eine der größten ist jedenfalls Jamiesons of Shetland, wobei groß auch recht hoch gegriffen ist. Die Fabrik liegt bei Sandness; das ist etwa in der Mitte der Insel, fast am Meer auf der Atlantikseite. Wenn man nicht weiß, was das für ein Gebäude ist, erfährt man es auch nicht, denn es hängt kein Firmenschild dran. Lediglich ein kleines Hinweisschild für Besucher weist einem den Weg. 

Der einzige Wegweiser

Die Spinnerei

Die Spinnerei liegt in Familienbesitz und existiert seit den frühen 1890ern; mittlerweile in der fünften Generation. Der Juniorchef persönlich hat uns durch die Produktion geführt, hat uns den Weber, die Wollwaschstraße, die Kardierstraße und den Färbekessel (was für ein Kessel!!!) gezeigt und erklärt. Nachdem dort die Wolle angeliefert wird, wird diese komplett von Hand durchgesehen und sortiert, denn nur reine Schetlandwolle wird dort für die Garne verarbeitet. Das fand ich sehr beeindruckend, bedenkt man, dass da nicht nur 10 oder 20 Vliese herumliegen. Dann wird gewaschen, gefärbt, kardiert, gesponnen, verwzirnt und verarbeitet. Das Garn wird auf Konen und zu Knäulchen gewickelt, es wird verwoben und auch verstrickt. Ich habe ein paar kleine Filme gedreht, ich schau mal ob ich die auf dem Blog zeigen darf. Nachdem wir also alles gezeigt bekommen haben, durften wir natürlich noch im hauseigenen Shop stöbern. Jeder Teilnehmer durfte sich drei Knäule aussuchen und bekam diese geschenkt, und wir haben aber umzu noch das ein oder andere gefunden. Katrin und ich haben auch nach den gewebten Stoffen gefragt und durften auf den Stoffdachboden und uns dort aussuchen, was wir wollten. Kein Schnäppchen, aber ein ganz tolles Stöffchen muss ich sagen; mal überlegen, was daraus werden wird. Die Leute dort waren sehr freundlich und die Führung war wirklich toll! Auch der Weg dorthin von Lerwick, der in etwa eine Stunde in Anspruch genommen hat, lohnt sich. Je weiter man die Insel rauffährt, desto mehr ändert sich die Landschaft. Es wird hpgeliger, Nebel zog auf und machte alles etwas unwirklich aber wunderschön. Kennt Ihr das, wenn eine ganz gedämpfte Ruhe herrscht wie bei frischem Schnee, wenn sich sonst nirgends was regt? So in etwa ist das auch. So rauh die Gegend auch sein mag, ich finde es ganz wundervoll dort.

Hier wird von Hand sortiert

Einer der Webstühle

Der Färbekessel

Die Waschstraße

Das Ende einer endlosen Kardiermaschine

Zwirnen und auf Konen wickeln

Unser Ausflug zu Jamiesons startete am Nachmittag, so dass wir Vormittags noch ein paar Stunden Zeit hatten. Im Shetland Museum war ein Treffpunkt für die Wool Week Teilnehmer eingerichtet, der sogenannte Hub. Sofas, Sessel, Stühle und Tische sowie warme Getränke standen zur Verfügung. Es gab einen Infostand und eine sehr schöne Fotoausstellung. Man konnte sich sogar mit einem Fähnchen auf einer Weltkarte anheften. Erstaunlich, von wo all die Leute angereist sind… Dort haben wir eine Weile gesessen und getrickt und uns mit den Leuten unterhalten. Wir sind aber auch noch in das Museum gegangen und haben den Mund vor Staunen kaum noch zubekommen! Ich habe mich nie viel mit Shetland-Lace beschäftigt und kannte es nur von Bildern. Aber die Ausstellungsstücke dort haben mich sehr beeindruckt! Vor der Fähigkeit, so feines Cobweb-Lace von Hand zu spinnen und etwas so schönes daraus zu fertigen, ziehe ich meinen Hut! Das Museum ist von seinen Ausstellungsstücken her weit gefächert, aber echt interessant. Einige der Ausstellungsstücke waren dort als Repliken gezeigt worden, aber wir konnten uns die Originale ein paar Tage später im National Museum Of Scotland in Edinburgh ansehen.

Die Karte der Teilnehmer/-innen

The Hub












Einige Stücke stammten vom Jarlshof, den wir auch besucht hatten. Der Jarlshof ist ein zeitlich weit gestreuter Hof mit Gebäuden aus der Bronzezeit, aus der Zeit der Pikten und der Wikinger (da war er wieder, der klar nordische Einfluß), ein mittelalterliches Bauernhaus gibt es und noch eines aus dem 17. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert hat man diesen Komplex entdeckt und begonnen, ihn wieder herzurichten. Naja oder das, was davon noch da war. Die Klippen reichten bis an die bronzezeitlichen Häuser heran und das Wasser hatte in vielen Jahren schon einen Teil davon fortgespült. Wir standen dort quasi in einem halben Haus und konnten aufs Meer gucken. Ein paar Informationen darüber und einen Lageplan gibt es hier: Jarlshof Wir hatten eine Archäologin dabei, die uns sehr viel erzählen konnte, aber ich bin gerade nicht in der Lage, alles wiederzugeben (zumal dieser Beitrag dann endlos lang werden würde). An den Steinen wuchs quasi überall Bartflechte, und ich habe mich mit der guten Frau noch ein wenig über Pflanzenfärberei unterhalten können. Sie  hatte eine ganz tolle Art und einen feinen Humor; es hat echt Spaß gemacht, ihr zuzuhören. Hier unsortiert ein paar Bilder des South Mainlands und des Jarlshofes:

Eine Getreidemühle auf der Tour


Ein typisches Shetlandhaus
 
Jarlshof
 
Bartflechte überall
 
Jarlshof

Gebäudeaufbau der ältesten Gebäude

Chronologisch ist dieser kleine Bericht nicht ganz korrekt, aber ich hoffe, das stört Euch nicht. Erzählen wollte ich jedenfalls noch von der Abendveranstaltung, der Opening Ceremony. Die fand am Sonntag Abend statt, und unser Weg dorthin war schon nett. Wir haben zwei Frauen aus Wisconsin kennengelernt, die so nett waren, uns im Auto mitzunehmen. Wir saßen auch zusammen an einem Tisch und haben uns gut unterhalten. Der Abend war eine feine Mischung aus guter, lokaler Livemusik (googelt mal nach "Vair"), einigen Vorträgen und einer Frage-Antwort-Runde. In dieser Runde saßen Gudrun Johnston, ein Schafhalter, eine Lehrerin und eine Dame vom Amenity Trust. Jeder aus dem Publikum konnte Fragen stellen, das war wirklich interessant. Fast zum Schluss gab es auch noch eine Modenschau, denn man kann auf den Inseln Textildesign (muss ich lügen, ich schaue nach) studieren, und die Studenten haben Strickdesigns vorgeführt. Auch klasse, denn die hatten dort auch einen Infostand und da gabs auch sehr interessantes zu bestaunen. Häppchen und Rotwein gab es auch; alles in allem ein schöner Abend mit netten Leuten!

Die Opening Ceremony

Die ganze Veranstaltung war sowieso sehr nett und hat mir richtig gut gefallen. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass es immer mehr Wollfeste überall gibt, dass diese sich im Grunde aber nicht wirklich groß unterscheiden. Der Focus liegt auf dem Kaufen und Verkaufen, lauter Strickverrückte reisen an um all ihr Geld dorthin zu tragen und einen Kurs nach dem anderen zu machen. Sollen sie machen, keine Frage, das macht ja auch Spaß. Aber die Wool Week hier hatte meines Erachtens ein weit gestreuteres Ziel. Sicher, man konnte sehr viele Kurse buchen. Es wurden sehr interessante und teils wirklich ausgefallene Kurse angeboten, aber auch sehr bekannte Designer waren mit Ihren Repertoire dabei (wir haben morgens zum Beispiel immer mit Nancy Merchant gefrühstückt; die als Kursleiterin auch da war und ein Zimmer in unserer Unterkunft hatte). Aber es gab auch Ausflüge und Informationsfahren. Es gab sogenannte Open Studios, wo Menschen Ihre Läden und Atelliers für Besucher extra zurechtgemacht und geöffnet hatten; wir hatten selber wirklich tolle Unterhaltungen dort. 









Fotoausstellungen wurden angeboten, teils auf Leuchttürmen der umliegenden Inseln. Man durfte an lokalen Stricktreffs teilnehmen, wo die Einheimischen sich im Gemeindehaus treffen. Unsere Besichtigung der Spinnerei, Abendvorträge diverser Designer, all sowas gab es. Das ist das, was für mich glaube ich so ein richtiges Wollfest ausmacht. Sicher kauft man auch das ein oder andere, aber ich finde, es sollte nicht immer nur darum gehen. Das Angebot der Shetland Wool Week war so reichhaltig und abwechslungsreich, dass ich nur meinen Hut vor den Organisatoren ziehen kann. Danke dafür und weiter so! Falls jemand von Euch dort gerne einmal hinfahren möchte, empfehle ich, die ganze Woche auszunutzen, denn es lohnt sich. Sowas in der Art findet man bei uns in Deutschland zur Zeit nämlich nicht, und ich weiß auch nicht, ob das je passieren wird. Ich jedenfalls werde mir vornehmen, dass ich in 2019, sollte es das dann noch geben, wieder hinfahren möchte. 2019 deshalb, weil im nächsten Jahr erstmal wieder das Edinburgh Yarn Festival gebucht ist und ich nicht möchte, dass ich all das irgendwann mal über habe. Ich hoffe, mein kleiner Bericht hat Euch gefallen. Für die Fotos muss ich mich ein bisschen entschuldigen, es gab nicht immer die Gelegenheit, alles zu fotografieren. Aber ein paar Eindrücke wollte ich hier doch anheften.





Liebe Grüße von einer, die auf diese doch recht kargen und schroffen Inseln sofort auswandern würde. Ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich dort irgendwie aufgehoben.


Diana

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