Montag, 11. Dezember 2017

Gotländisches Pelzschaf

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Der Tag 2 des Faseradventskalenders brachte mir gotländisches Pelzschaf. Gotlandschafe, ich liebe sie. Allein schon wegen der Farbe!



Gotländische Pelzschafe:
Der Vorgänger des Gotlandschafes ist als nordeuropäisches Kurzschwanzschaf bekannt, das es schon seit der Eisenzeit gibt und bis ins 13. Jahrhundert auf dem Wappen Gotlands zu finden ist. Diese Schafe gibt es also schon ewig und es wurde durch die Jahrhunderte hinweg versucht, die Rasse immer weiter zu verbessern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es verschiedene Arten von Gotlandschafen gibt. Da sind gehörnte Schafe und auch ungehörnte. Letztere sind dann als das "Gotlandschaf" bzw. auch Pelzschaf bekannnt. Die gehörnten sind die sog. "Guteschafe", von denen es nur noch ganz wenige gibt. Es gibt sehr viel über beide Arten zu schreiben, aber das führt hier zu weit. Es soll ja nur ein kleines Portrait werden. Von den Pelzschafen jedenfalls gibt es deutlich mehr, aber auch die sind eine gefährdete Rasse.
Wie sieht das Pelzschaf denn nun aus? Wie auf dem Bild zu erkennen sind die Schafe hornlos, grau und lockig. Die Lämmer werden schwarz geboren und werden dann mit der Zeit heller. Einige wenige bleiben jedoch schwarz. Die Böcke können mit ihren 80 cm Stockmaß bis zu 90 kg schwer werden, die Damen sind da (wie so oft) kleiner und leichter. Die Wollausbeute liegt so um die 4-6 kg. Wichtig zu wissen wäre, dass die Wolle schon filzt, wenn man nur an Wasser denkt. Sie muss also vorsichtig gewaschen werden, sonst hat man nur noch einen Klumpen. Für Filzprojekte eignet sie sich somit hervorragend!

Bildquelle:
Von Jens Bonderup Kjeldsen - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16629938


Stapellänge:
Ist auf dem Bild schlecht zu erkennen. Aber ziemlich kurz, wenn ich einzelne Haare mal so rauszupfe. So um die 4 cm sind das wohl. Auf dem Foto sind sie eigentlich nur auseinander gezogen.






Spinnbarkeit:
Ich habe die Fasern, so wie sie sind, im langen Auszug gesponnen. Mein Versuch, das im kurzen zu machen, scheiterte kläglich. Das geht bei kurzen Fasern, aber diese hier wollten das einfach nicht. Den langen Auszug fand ich aber auch mühsam, weil mir der Faden trotz gut Drall immer wieder riss. Man muss hiermit etwas üben glaube ich, dann geht das auch ohne Abrisse.

Fertiges Garn:
Das ist nicht mehr so weich wie die Fasern ansich, aber durch den langen Auszug schön fluffig. Das Garn würde ich für alles verwenden, was nicht so ganz direkt auf der Haut liegt. Oberteile (mit etwas darunter getragen) wären gut, eine Stola oder Handstulpen (an den Händen stört mich robustes Garn nicht). Für Mützen finde ich es auch ok.




Fazit:
Durch die kleine Probe bin ich im Grunde bei "ist etwas lästig zu verpinnen" hängen geblieben. Hier fehlt dann einfach die Routine. Ich habe Gotland bisher nur im Kammzug versponnen (und das ziemlich viel), das ist doch noch mal was anderes. Aber das Garn ist schon toll!

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Danke Angela für die tolle Wolle!


Sonntag, 10. Dezember 2017

Rauwolliges Pommernschaf aka Heidschnucke

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Mein Faseradventskalender begann mit einer Mystery-Faser, denn eigentlich sollte es sich um rauwolliges Pommernschaf handeln. Es stellte sich allerdings im Gespräch heraus, dass das wohl ehr eine Heidschnucke sei, weil sich in der Wolle viele Grannenhaare befanden, die ein rauwolliges Pommernschaf so nicht hat. Das ist gar nicht schlimm, denn Heidschnucke ansich habe ich noch nie versponnen. Das Spenderschaf lebt auf der Arche Warder (in Warder; Schleswig-Holstein).



Herkunft:
Die Heidschnucke ist ein Landschaf, das angeblich von den Mufflons abstammt. Die Herkunft des Namens finde ich ganz putzig, denn Schnucke kommt von Schnökern (=Naschen). und die Heidschnucke nascht halt viel Heide. Das ist unerlässlich, denn das Gehülz, was die Heide am Wachsen und Gedeihen hindert, wird von ihnen abgeknabbert, so dass die Heidelandschaft auf natürliche Weise erhalten bleiben kann. Wenn die Heide im Spätsommer blüht, zerreißen die Schnucken die Spinnweben im Heidekraut, so dass Bienen ungehindert ihren Tätigkeiten nachgehen können. Praktisch oder? So eine Heidschnucke wiegt um die 45-60 kg, kann bis zu 15 Jahre alt werden und 50-60 cm groß. Und Hörner haben sie auch, Männlein wie Weiblein. Das Fleisch soll auch sehr lecker sein. Ich muss zu meiner Schande gestehen, es noch nie gegessen zu haben, obwohl ich gar nicht weit von der Lüneburger Heide entfernt wohne.

Wer mehr über die Tiere wissen will, kann hier oder hier nachlesen. Auch gibt es dort weitere Bilder; die Tiere gibt es nicht nur in grau.

Bildquelle: Von Quartl - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8470198



Die Lämmer sind zunächst schwarz und nehmen im Laufe der Zeit die Farbe der Eltern an.

Stapellänge:
So um die 10 cm würde ich sagen. Die ganz weichen fasern sind kürzer, die Grannenhaare länger.



Haptik:
Im ersten Moment fühlt sich die Wolle recht robust an. Durch die weichen Stellen relativiert sich das teils wieder. Ich habe alles nochmal mit den Handkarden gemischt und habe so zwar immer noch eine robuste Faser, aber nicht mehr "ganz so schlimm". Was heißt schlimm? Es kommt immer auf die Verwendung an.

Spinnbarkeit:
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber die Fasern ließen sich superleicht verspinnen. Ich habe den kurzen Auszug verwendet und der Faden ist auch ziemlich gleichmäßig geworden. Das fertige Garn ist immer noch robust und nichts, was ich für KLeidung verwenden wollen würde. Auch nicht für "Obendrübers", ehr für Decken, Teppiche oder für Kissen- oder Sitzhüllen. Taschen kann ich mir daraus auch gut vorstellen.



Fazit:
Ich kenne einige, die über Heidschnucke schimpfen. Bisher finde ich sie ganz nett, allerdings wäre ein ganzen Vlies mir auch bei weitem zu viel. Sollte ich sie nochmal verspinnen wollen, würde ich mir vorher überlegen, was daraus werden soll und so die Menge abschätzen. Die Farbe ist übrigens ganz toll; ein schönes, helles. lebendiges grau. Aber da ich eh ein Naturfarbenfan bin, kann man mich da auch sehr schnell begeistern. Das rauwollige Pommernschaf behalte ich aber dennoch im Hinterkopf.

Danke Tanja für die tolle Faser, auch wenn das nun doch kein Pommernschaf war :)


Samstag, 25. November 2017

24 Schafsrassen im Test – Der Faseradventskalender 2017

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Alle Jahre wieder habe ich im Dezember einen Faseradventskalender am Regal hängen. Alle Jahre ist gut, das ist nun das dritte Mal. Im ersten Jahr habe ich mir einen von Spinnert und Gewollt gekauft, im zweiten Jahr habe ich dann bei einem selbstgemachten mitgemacht. So ist es auch dieses Jahr. Auf meiner Lieblingsplattform Ravelry wurde in der Chantimanou-Handspinnerei-Gruppe zu verschiedenen Mitmachkalendern aufgerufen und ich habe mich für den mit Rohwolle entschieden. Jede Teilnehmerin bekam einen Tag zugewiesen und sollte 24 Päckchen mit je 10 Gramm Rohwollfasern bestücken.  Die gute Tanja hat sich also 24 große Kartons zuschicken lassen und alles umsortiert und zu uns zurückgesandt. Nun liegt er da, der tolle Kalender, mit 24 toll verpackten Wollportionen und grinst mich erstmal noch an.


Der erste Dezember fällt dieses Jahr auf einen Freitag (eigentlich perfekt, um gleich mit dem Spinnen zu beginnen). Durch einen echt vollen Terminkalender weiß ich aber schon vorher, dass ich es dieses Jahr nicht schaffen werde, den kompletten Kalender zeitnah zu verarbeiten. 

Dieser Kalender wird für mich glaube ich einen guten Lerneffekt haben. Wie kann man besser über die Spinnbarkeit von Fasern urteilen, als mit möglichst unveränderten Fasern? Unsere Vorgabe war, dass die Rohwolle gewaschen sein sollte und ggf. auch gekämmt. Es ging nicht um ungefärbte Kammzüge, sondern um die wirkliche Rohwolle. Jeder, der immer schon mal verschiedenste Rassen testen wollte, ist hier gut aufgehoben, weil zehn Gramm pro Faser eine gute Probiergröße abgibt. Ich war echt gespannt, was die Teilnehmer sich so ausgedacht haben und an was für Fasern man so gerät. Einiges kennt man sicher schon, aber anderes wiederum gar nicht. Ich möchte Euch hier den gesamten Kalenderinhalt vorstellen und über die einzelnen Fasern ein bisschen was berichten. 

Nun warte ich noch bis zur nächsten Woche und freu mich drauf :)

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Sonntag, 12. November 2017

Houtland - eine gefährdete Schafsrasse

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Diese Schafsrasse kannte ich bis vor Kurzem gar nicht. Als ich vor einiger Zeit einmal von jemandem angeschrieben wurde, ob ich nicht noch Seife schicken könnte, wurde mir im Tausch kardierte Rohwolle von eigenen Schafen angeboten. Ein bisschen Skudde habe ich bekommen und auch Houtland. Ich musste erstmal nachlesen, was das denn wohl ist. Viele Informationen gibt es leider nicht.

Die Rasse stammt wohl ursprünglich aus Belgien und ist eine Mischung aus dem französischen Sambre-et-Meuse und Vlaamse-Schafen. So weit, so gut, die beiden Rassen kenne ich auch nicht und werde mich auch da nochmal einlesen. Diese Rasse jedenfalls trat im 18. Jahrhundert erstmals als Fleischrasse auf und wird seit dem 19. Jahrhundert unterteilt in die Farbe der Köpfe. Es gibt sie nämlich einmal mit rotem Kopf und mit rot gesprenkeltem Kopf. Wo da genau der Unterschied liegt außer in der Farbe, weiß ich leider nicht.

Hier gibt es Infos und Bilder zum Schaf.

Die Böcke sind mit 83 cm etwas größer als die Damen, die bringen es nämlich auf ca. 73 cm. Erstere wiegen um die 87 kg und letztere gerade mal 60. Die Houtlands bringen oft Zwillinge und manchmal sogar Drillinge zur Welt. Nichts desto trotz gibt es nicht mehr sehr viele Tiere. Seit 1998 ist diese Rasse im sog. Herdbuch aufgeführt. Das ist ein von einem Zuchtverband geführtes Buch für beglaubigte Abstammungsnachweise. Die Rasse ist sehr gefährdet; ich habe gelesen, dass die letzte Zählung (leider ohne Jahresangabe, schlau…) 119 Schafe in 9 Herden ergab. Ich habe da also etwas ganz besonderes bekommen.




Die Wolle ist weiß und fühlt sich zunächst griffig, aber nicht übermäßig kratzig an. Die einzelnen Fasern sind etwa 6-8 cm, lang, soweit erkennbar. Leicht kräuselig sind sie, eben griffig. Spinnen ließen sie sich ganz gut, aber es war noch eine Menge Wollfett drin, so dass ich kleine Gnübbelchen nicht vermeiden konnte. Naja ich hätte langsamer spinnen können, aber das ist ok für mich. Die Rolags waren recht fest, so dass ich mich für den kurzen Auszug entschieden habe.



Gesponnen habe ich die Wolle auf dem Spinnrad, wobei das auch eine gute Handspindelwolle ist. Das fertige Garn hat ca. 348m auf 100g und ist nicht eben weich. Aber ich kann sie mir sehr gut für haltbare Socken oder auch für Armstulpen vorstellen. Für beides würde das reichen, wobei die Socken dann ehr kurze Schäfte hätten. Vielleicht färbe ich den Strang auch noch, aber dazu dann ggf. mehr.


Fazit: ich mag diese Wolle gerne und sage danke an Katharina, die sie mir zur Verfügung gestellt hat!

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Donnerstag, 2. November 2017

Folge 009: Nachgereicht

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Es war länger still, aber nun reiche ich noch alles nach, was sich seit der Folge 7 (die Shetlandfolge war im Grunde ja eine kleine Sonderepisode) so angesammelt hat. Ich berichte über:



Etwa die Hälfte der Folge dreht sich um das Handspinngildenzertifikat und was da in etwa abgefordert wird. 


Ich muss mich da auch berichtigen. Undzwar bin ich mir nicht sicher, ob nur die Themenblöcke als solches und ganzes bewertet werden oder tatsächlich jeder der 20 Lerneinheiten. Dann wären es nämlich nur fünf Arbeiten, die man zur Bewertung einreichen muss. Schnell nachgeschaut: ja, es werden die fünf Themenblöcke als solches bewertet. Entschuldigt den Fehler.

Ansonsten...
ich hoffe, Ihr hattet Spaß an dieser Folge. Ahoi!


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Mittwoch, 1. November 2017

Jamieson's of Shetland - eine tolle Wolle

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Vor einiger Zeit habe ich ja einen Trip auf die Shetlands gemacht und Euch auch schon ausführlichst davon berichtet. Unter anderem haben wir die Spinnerei von Jamieson's of Shetland besucht und auch ein wenig eingekauft. Die ersten Knäule sind verstrickt und haben den Praxistest bestanden.

Gekauft hatte ich die Spindrift in (wen wunderts) gedeckten Naturtönen und gestrickt habe ich daraus eine Mütze. Das ist ein Gemisch aus dem Sockhead Slouch Hat von Kelly McClureund dem Thotful Spot Hat von Sarah Shira. Beides sind kostenlose Muster, und ich weiß auch nicht wirklich, ob die sich in der Krone so arg unterscheiden. Das Bündchen habe ich gerne dicker, also habe ich wie bei dem Sockhead begonnen und bin dann auf das andere Muster übergegangen. So oder so, beide Muster sind sehr einfach und schnell zu stricken, kostenlos sind sie auch, und die Mütze passt nicht nur wegen ihrer Farbe zu so ziemlich allem.

Die Wolle ist nicht die Weichheit in Person, aber das stört mich gerade auf dem Kopf gar nicht. Sie hat Struktur, ist griffig und lässt sich ganz wunderbar verstricken.


Die Mütze ist mit 40 g ganz leicht und trotzdem warm. Man kriegt alle Haare unter und sonst? Ich glaube, das wird meine neue Lieblingsmütze für diesen Winter. Erstmals ausgetragen habe ich sie vor ein paar Tagen auf der Überfahrt nach England. Somit gibt es auch ein Tragefoto, nachdem ich vorm Frühstück nochmal schnell an Deck gegangen war, um den Sonnenaufgang anzusehen. Am Abend zuvor war es dank Sturm ratsam, sich lieber festzuhalten, weil sonst die Kamera oder man selber weggefegt wurde. 


Naja, mein Mann hätte sagen können, dass ich das Krönchen nochmal besser hätte drappieren können, aber was solls. 

Was will ich mit diesem Post sagen? Dass die Jamiesons-Wolle sich innerhalb kurzer Zeit in meine persönliche Lieblingswolliste geschlichen hat und ich froh bin, gleich für drei kleine Projekte welche mitgenommen zu haben. Wer weiß, vielleicht lerne ich in 2018 ja doch endlich das Fair-Isle-Stricken. Denn dann steht schon fest, werde ich mir aus der Wolle einen Pullover stricken.

Windige Grüße von der englischen Ostküste!


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Donnerstag, 19. Oktober 2017

60° North

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Eine kleine Weile ist es nun schon her, seit ich auf den Shetlandinseln war. Einen kleinen Audiobericht gab es auch schon, doch im Grunde gibt es so viel mehr von dem zu berichten, was ich so gesehen  und erlebt habe und ein paar Fotos bin ich hier und da auch noch schuldig. Außerdem vernachlässige ich den Blog als solches mehr, als mir lieb ist, darum wird dieser Beitrag vermutlich etwas länger als die letzten.

Am Freitag war also Herbstanfang und ich habe den späten Abend damit verbracht, auf mein verspätetes Flugzeug zu warten. Wenn man all dem so folgt, was auf dem Hamburger Flughafen so passiert (oder eben auch nicht), könnte man meinen, dass die die Sache mit dem Flugbetrieb und der Abfertigung zum ersten Mal machen. Sobald man in der Luft ist, wird aber alles gut, denn in Edinburgh angekommen lief alles trotz später Stunde aalglatt. Geschlafen habe ich nicht viel, was zur Folge hatte, dass ich auf die Frage zum Frühstück „Tea or coffee?“ einfach nur „yes“ gesagt habe und mich dann dafür entschuldigt habe, dass mein Hirn bei dem Wort Kaffee kurzzeitig ausgesetzt hat. Frisch gestärkt habe ich mich dann mit Katrin (bei Ravelry als Kaete unterwegs) am Flughafen getroffen um weiter auf die Shetlands zu fliegen. Es war schon süß wie es da stand, die kleine Propellermaschine unter all den großen Flugzeugen. Um die 30 Leute hatten Platz; ein Platz, der sehr schick mit Harris Tweed an der Kopfstütze verkleidet war. Logan Air gehört übrigens zu den wenigen Fluglinien, die ich auf Kurzstrecken kenne, die noch kostenlos Snacks und Getränke verteilen, und so hatte ich bei Sonnenschein fein Tee und Salzbrezeln. Der Flug ging knapp anderthalb Stunden und die Landebahn spannt sich über den gesamten südlichen Inselzipfel. Eine Schranke wird geschlossen, denn die normale Straße führt direkt über die Landebahn. Steht man dort mit dem Auto, blickt man schön aufs Meer hinaus, während die kleinen Flugzeuge landen und starten. Das ist amüsant anzusehen. Mit dem Flieger selber kommt man ziemlich flach über dem Wasser an und nach dem Aufsetzen wird auch sofort stark gebremst; ich vermute, weil man sonst am Ende der Landebahn einfach herunterfällt und einen neuen Anflug proben muss. Vom Flughafen aus benötigt man mit mit dem Bus etwa eine Stunde bis nach Lerwick.

Lerwick ist die Hautstadt der Inselgruppe, die geografisch etwa auf der Höhe von Bergen / Norwegen liegt. Norwegen ist ein gutes Stichwort, denn ich habe gelernt, dass die Shetlands sich nicht so sehr zu Schottland zugehörig fühlen, sondern aufgrund seiner Vergangenheit ehr nordisch heimisch sind. Die Shetlands werden schon seit der Bronzezeit bewohnt. Die Pikten kamen, danach die Wikinger und kurz vorm 13. Jahrhundert waren die Inseln dann Norwegen unterstellt. Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts gelangten die Inseln als Sicherheit für eine Mitgift an die Schotten und dabei ist es geblieben. Der nordische Einfluss blieb aber. Auch wird dort kein gälisch gesprochen, denn man hat seine eigene „Sprache aus der Vergangenheit“, die von den orwegischen Einwanderern gebracht wurde und Norn heißt. Es gibt’s zwar nur noch wenige, die sich da gut auskennen, aber im Umgangssprachgebrauch fließen da immer mal Begriffe oder Ausdrücke ein. Die Stadt Lerwick ansich ist im Grunde aber sehr britisch und ähnelt architektonisch den meisten Städten, die ich in Großbritannien so gesehen habe. Allerdings sind auf der gesamten Insel die Häuser niedrig gehalten, was mit dem starken Wind zu tun hat und der salzigen Luft, die an allem zerrt. Ab und zu sieht man mal einen Baum hier und da zwischen den Häusern stehen, aber ausserhalb wächst im Grunde fast nur Heide. Vor langer Zeit gab es dort sehr viel Baumbewuchs, aber irgendwer, der vor hunderten von Jahren auf der Insel landete, hat nach und nach alles abgeholzt und eine Neubepflanzung hat sich seitdem nie wieder durchsetzen können. Die Versuche waren da, aber nichts hat sich dort wirklich gehalten. Gant ähnlich sieht das mit Gemüsegärten aus. Solche Anpflanzungen werden zumeist unter Gewächshäusern gezogen, weil alles andere einfach witterungstechnisch nicht gut funktioniert. Über die Insel verteilt sieht man in den Feldern immer wieder kleine mit Steinmauern umrandete Bereiche, in denen zumindest ein wenig was wächst, weil ein bisschen Wetterschutz vorhanden ist. Viel muss also vom Festland (Festland, naja, aus GB eben) importiert werden, was zum Leben gebraucht wird. Aber: die Shetlands leben zum größten Teil vom Fischfang und versorgen den größten Teil Großbritanniens mit Fisch. Das ist auch mehr als naheliegend, denn fährt man über die schmale, lange Hauptsinsel, sieht man eigentlich immer das Meer; entweder die Nordsee oder den Atlantik.

Abgesehen von den Fischen ist die Tierwelt übersichtlich, aber absolut sehenswert. Wer sich für Vögel interessiert, wird da bestimmt auf seine Kosten kommen. So gibt es zum Beispiel Papageientaucher; die sind wirklich knuffig! Leider waren die schon auf dem Weg in den Süden; da ist ehr der Juni der beste Monat um sie zu sehen. Es gibt auch viele Otter (ich liebe Otter!), und so kann es schonmal vorkommen, dass man an der Straße ein „Achtung Otter“-Schild sieht, denn die flitzen gerne mal umher. Wenn man Glück hat und aufs Meer herausfährt, kann man sogar Wale sehen. Selbstverständlich findet man auch Shetland-Ponys, die in der Vergangenheit als Arbeitstiere gehalten wurden, heute aber nur noch zum Liebhaben dort sind. Kühe gibt es (wenige), und natürlich Schafe (viele). Über die Schafe habe ich aber etwas gelernt. Es gibt die reinen Shetlandschafe, die in den Bergen stehen und in der Heide umherlaufen, und es gibt diejenigen, die mit irgendeiner anderen Rasse gekreuzt wurden und zumeist für die Fleischerzeugung verwendet werden. Die Wolle der reinen Shetlands ist weit feiner, weshalb Spinnereien wie Jamiesons sehr darauf achten, die unverkreuzte Wolle zu verarbeiten. Die Kreuzungsrassen werden in Weiden rund um die Höfe gehalten, weil sie nicht robust genug für das Leben komplett im Freien sind. Aha, also Augen auf beim Shetlandkauf, da gibt es Unterschiede!

Ich weiß nicht genau, wie viele Spinnereien es auf den Inseln gibt. Eine der größten ist jedenfalls Jamiesons of Shetland, wobei groß auch recht hoch gegriffen ist. Die Fabrik liegt bei Sandness; das ist etwa in der Mitte der Insel, fast am Meer auf der Atlantikseite. Wenn man nicht weiß, was das für ein Gebäude ist, erfährt man es auch nicht, denn es hängt kein Firmenschild dran. Lediglich ein kleines Hinweisschild für Besucher weist einem den Weg. 

Der einzige Wegweiser

Die Spinnerei

Die Spinnerei liegt in Familienbesitz und existiert seit den frühen 1890ern; mittlerweile in der fünften Generation. Der Juniorchef persönlich hat uns durch die Produktion geführt, hat uns den Weber, die Wollwaschstraße, die Kardierstraße und den Färbekessel (was für ein Kessel!!!) gezeigt und erklärt. Nachdem dort die Wolle angeliefert wird, wird diese komplett von Hand durchgesehen und sortiert, denn nur reine Schetlandwolle wird dort für die Garne verarbeitet. Das fand ich sehr beeindruckend, bedenkt man, dass da nicht nur 10 oder 20 Vliese herumliegen. Dann wird gewaschen, gefärbt, kardiert, gesponnen, verwzirnt und verarbeitet. Das Garn wird auf Konen und zu Knäulchen gewickelt, es wird verwoben und auch verstrickt. Ich habe ein paar kleine Filme gedreht, ich schau mal ob ich die auf dem Blog zeigen darf. Nachdem wir also alles gezeigt bekommen haben, durften wir natürlich noch im hauseigenen Shop stöbern. Jeder Teilnehmer durfte sich drei Knäule aussuchen und bekam diese geschenkt, und wir haben aber umzu noch das ein oder andere gefunden. Katrin und ich haben auch nach den gewebten Stoffen gefragt und durften auf den Stoffdachboden und uns dort aussuchen, was wir wollten. Kein Schnäppchen, aber ein ganz tolles Stöffchen muss ich sagen; mal überlegen, was daraus werden wird. Die Leute dort waren sehr freundlich und die Führung war wirklich toll! Auch der Weg dorthin von Lerwick, der in etwa eine Stunde in Anspruch genommen hat, lohnt sich. Je weiter man die Insel rauffährt, desto mehr ändert sich die Landschaft. Es wird hpgeliger, Nebel zog auf und machte alles etwas unwirklich aber wunderschön. Kennt Ihr das, wenn eine ganz gedämpfte Ruhe herrscht wie bei frischem Schnee, wenn sich sonst nirgends was regt? So in etwa ist das auch. So rauh die Gegend auch sein mag, ich finde es ganz wundervoll dort.

Hier wird von Hand sortiert

Einer der Webstühle

Der Färbekessel

Die Waschstraße

Das Ende einer endlosen Kardiermaschine

Zwirnen und auf Konen wickeln

Unser Ausflug zu Jamiesons startete am Nachmittag, so dass wir Vormittags noch ein paar Stunden Zeit hatten. Im Shetland Museum war ein Treffpunkt für die Wool Week Teilnehmer eingerichtet, der sogenannte Hub. Sofas, Sessel, Stühle und Tische sowie warme Getränke standen zur Verfügung. Es gab einen Infostand und eine sehr schöne Fotoausstellung. Man konnte sich sogar mit einem Fähnchen auf einer Weltkarte anheften. Erstaunlich, von wo all die Leute angereist sind… Dort haben wir eine Weile gesessen und getrickt und uns mit den Leuten unterhalten. Wir sind aber auch noch in das Museum gegangen und haben den Mund vor Staunen kaum noch zubekommen! Ich habe mich nie viel mit Shetland-Lace beschäftigt und kannte es nur von Bildern. Aber die Ausstellungsstücke dort haben mich sehr beeindruckt! Vor der Fähigkeit, so feines Cobweb-Lace von Hand zu spinnen und etwas so schönes daraus zu fertigen, ziehe ich meinen Hut! Das Museum ist von seinen Ausstellungsstücken her weit gefächert, aber echt interessant. Einige der Ausstellungsstücke waren dort als Repliken gezeigt worden, aber wir konnten uns die Originale ein paar Tage später im National Museum Of Scotland in Edinburgh ansehen.

Die Karte der Teilnehmer/-innen

The Hub












Einige Stücke stammten vom Jarlshof, den wir auch besucht hatten. Der Jarlshof ist ein zeitlich weit gestreuter Hof mit Gebäuden aus der Bronzezeit, aus der Zeit der Pikten und der Wikinger (da war er wieder, der klar nordische Einfluß), ein mittelalterliches Bauernhaus gibt es und noch eines aus dem 17. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert hat man diesen Komplex entdeckt und begonnen, ihn wieder herzurichten. Naja oder das, was davon noch da war. Die Klippen reichten bis an die bronzezeitlichen Häuser heran und das Wasser hatte in vielen Jahren schon einen Teil davon fortgespült. Wir standen dort quasi in einem halben Haus und konnten aufs Meer gucken. Ein paar Informationen darüber und einen Lageplan gibt es hier: Jarlshof Wir hatten eine Archäologin dabei, die uns sehr viel erzählen konnte, aber ich bin gerade nicht in der Lage, alles wiederzugeben (zumal dieser Beitrag dann endlos lang werden würde). An den Steinen wuchs quasi überall Bartflechte, und ich habe mich mit der guten Frau noch ein wenig über Pflanzenfärberei unterhalten können. Sie  hatte eine ganz tolle Art und einen feinen Humor; es hat echt Spaß gemacht, ihr zuzuhören. Hier unsortiert ein paar Bilder des South Mainlands und des Jarlshofes:

Eine Getreidemühle auf der Tour


Ein typisches Shetlandhaus
 
Jarlshof
 
Bartflechte überall
 
Jarlshof

Gebäudeaufbau der ältesten Gebäude

Chronologisch ist dieser kleine Bericht nicht ganz korrekt, aber ich hoffe, das stört Euch nicht. Erzählen wollte ich jedenfalls noch von der Abendveranstaltung, der Opening Ceremony. Die fand am Sonntag Abend statt, und unser Weg dorthin war schon nett. Wir haben zwei Frauen aus Wisconsin kennengelernt, die so nett waren, uns im Auto mitzunehmen. Wir saßen auch zusammen an einem Tisch und haben uns gut unterhalten. Der Abend war eine feine Mischung aus guter, lokaler Livemusik (googelt mal nach "Vair"), einigen Vorträgen und einer Frage-Antwort-Runde. In dieser Runde saßen Gudrun Johnston, ein Schafhalter, eine Lehrerin und eine Dame vom Amenity Trust. Jeder aus dem Publikum konnte Fragen stellen, das war wirklich interessant. Fast zum Schluss gab es auch noch eine Modenschau, denn man kann auf den Inseln Textildesign (muss ich lügen, ich schaue nach) studieren, und die Studenten haben Strickdesigns vorgeführt. Auch klasse, denn die hatten dort auch einen Infostand und da gabs auch sehr interessantes zu bestaunen. Häppchen und Rotwein gab es auch; alles in allem ein schöner Abend mit netten Leuten!

Die Opening Ceremony

Die ganze Veranstaltung war sowieso sehr nett und hat mir richtig gut gefallen. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass es immer mehr Wollfeste überall gibt, dass diese sich im Grunde aber nicht wirklich groß unterscheiden. Der Focus liegt auf dem Kaufen und Verkaufen, lauter Strickverrückte reisen an um all ihr Geld dorthin zu tragen und einen Kurs nach dem anderen zu machen. Sollen sie machen, keine Frage, das macht ja auch Spaß. Aber die Wool Week hier hatte meines Erachtens ein weit gestreuteres Ziel. Sicher, man konnte sehr viele Kurse buchen. Es wurden sehr interessante und teils wirklich ausgefallene Kurse angeboten, aber auch sehr bekannte Designer waren mit Ihren Repertoire dabei (wir haben morgens zum Beispiel immer mit Nancy Merchant gefrühstückt; die als Kursleiterin auch da war und ein Zimmer in unserer Unterkunft hatte). Aber es gab auch Ausflüge und Informationsfahren. Es gab sogenannte Open Studios, wo Menschen Ihre Läden und Atelliers für Besucher extra zurechtgemacht und geöffnet hatten; wir hatten selber wirklich tolle Unterhaltungen dort. 









Fotoausstellungen wurden angeboten, teils auf Leuchttürmen der umliegenden Inseln. Man durfte an lokalen Stricktreffs teilnehmen, wo die Einheimischen sich im Gemeindehaus treffen. Unsere Besichtigung der Spinnerei, Abendvorträge diverser Designer, all sowas gab es. Das ist das, was für mich glaube ich so ein richtiges Wollfest ausmacht. Sicher kauft man auch das ein oder andere, aber ich finde, es sollte nicht immer nur darum gehen. Das Angebot der Shetland Wool Week war so reichhaltig und abwechslungsreich, dass ich nur meinen Hut vor den Organisatoren ziehen kann. Danke dafür und weiter so! Falls jemand von Euch dort gerne einmal hinfahren möchte, empfehle ich, die ganze Woche auszunutzen, denn es lohnt sich. Sowas in der Art findet man bei uns in Deutschland zur Zeit nämlich nicht, und ich weiß auch nicht, ob das je passieren wird. Ich jedenfalls werde mir vornehmen, dass ich in 2019, sollte es das dann noch geben, wieder hinfahren möchte. 2019 deshalb, weil im nächsten Jahr erstmal wieder das Edinburgh Yarn Festival gebucht ist und ich nicht möchte, dass ich all das irgendwann mal über habe. Ich hoffe, mein kleiner Bericht hat Euch gefallen. Für die Fotos muss ich mich ein bisschen entschuldigen, es gab nicht immer die Gelegenheit, alles zu fotografieren. Aber ein paar Eindrücke wollte ich hier doch anheften.





Liebe Grüße von einer, die auf diese doch recht kargen und schroffen Inseln sofort auswandern würde. Ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich dort irgendwie aufgehoben.


Diana

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Mittwoch, 27. September 2017

Die Shetland Wool Week 2017 - ein Audiobericht

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Hallo zusammen!

Katrin und ich hatten Euch einen Bericht von der Shetland Wool Week versprochen und hier ist er! Erwähnt wurde unter anderem:

Wir wünschen Euch ganz viel Spaß und schaut auch hier und auf Katrins Blog, denn wir werden beide noch einen ausführlichen Bericht schreiben :)

Viele Grüße, 
Katrin & Diana

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Mittwoch, 23. August 2017

Folge 007 - Urlaub!

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Ihr Lieben,

ich bin auf dem Sprung, aber ich wollte gerne noch eine Folge im August senden. Hier ist sie. Und zwischen Ausrüstung suchen und verpacken gibt es in aller Kürze noch die Shownotes. Das wird besser und ausführlicher ab September. Versprochen :)

Es ging dieses mal um:


Zum Thema Shetland Wool Week hier noch die Infos:
  • www.shetland.org
  • ein offener Brief von Katie Davis klick, wobei das nicht der war, von dem ich sprach, aber ich habe den Link verbummelt
  • edit: ich habe den anderen open letter gefunden: klick

Ja und zu guter Letzt, besucht mich gerne auf der Burg Ronneburg:
  • http://www.14tes.eu/


Viel Spaß beim Hören!
Diana

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Freitag, 18. August 2017

Der fehlende Sommer?

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Wir haben August, und hier in Norddeutschland gibt es das Sommerwetter nur in homäopathischen Dosen zugeteilt. Es ist frisch, regnet, stürmt, gewittert oder es ist schwül. Nur wenige vereinzelte Tage sind angenehm und sonnig (die letzten waren sogar vergleichsweise ok). Jetzt muss ich gestehen, dass ich das nicht so schlimm finde wie (sagen wir) meine Kollegen. Dort wird täglich darüber geschimpft. Nichts ist gut genug, solange es nicht wolkenfrei und mindestens 28 °C hat. Ich gestehe: so richtig stört es mich nicht. Meine Wohlfühltemperatur liegt bei 18-20 Grad, es darf gerne locker bewölkt sein. Gerne darf es auch trocken sein und ein leichter Wind ist auch nicht verkehrt. Steigen die Temperaturen auf über 25 Grad, fühle ich mich unwohl. Ich mag nicht mit anderen verschwitzten Leuten S-Bahn fahren, ich mag die pralle Sonne nicht im Gesicht (ich vertrage es auch gar nicht), ich kann nur schlecht schlafen und werde bei so einer Hitze auch einfach schnell träge und habe einen Brummschädel. Also könnte man sagen, meinem Gemüt hat dieser Pseudosommer nicht unbedingt schlecht getan. Gut, mein Garten sieht aus wie bei Nachbars Lumpi, weil durch das feuchte Wetter alles sprießt und das Gemüse nicht recht wachsen will. Aber damit kann ich noch umgehen. Dennoch bin ich viel draußen, weil die Luft, wenn ein schwüler Tag nicht gerade wieder ein Gewitter ankündigt, erfrischend und wohltuend ist. Der Wald riecht toll, wenn er nass ist. Auch habe ich bei den Temperaturen viel Lust zum Stricken oder mache viel im Haus. Kurz: ich weiß viel mit mir anzufangen, auch wenn das Wetter nicht so ist, wie ein Gros der Gesellschaft es für die Monate Juli und August erwartet. Ich glaube ja auch, dass noch wärmeres Wetter kommt, nämlich ab Mitte/Ende August und bestimmt auch im September. Das war im letzten Jahr auch so, denn das (gute) Wetter scheint sich einfach ein Stück weit zu verschieben. „Gutes Wetter“, naja was das ist, kann nur jeder für sich selber definieren. Ich als Herbstfreund fühle mich jedenfalls zur Zeit ganz wohl. Was nämlich auch gerade gut geht, ist Kuchen essen und dazu einen guten Kaffee genießen. Neulich habe ich zufällig ein Rezept für einen Kuchen gefunden, der weder gesund noch besonders raffiniert ist. Aber unglaublich fluffig! Man nehme:

250 g Zucker
250 g Mehl
245 g Joghurt pur
230 g Sonnenblumenöl
130 g Speisestärke
1 Pck. Backpulver
3 Eier
1 TL Vanillezucker
etwas Puderzucker

Eier und Zucker werden zu einer Creme verrührt
- unter rühren den  Joghurt, das Öl und den Vanillezucker dazumischen
- danach Stärke, Backpulver und Mehl untermischen; immer noch rühren
- den Teig in eine Rundform mit 24cm Durchmesser füllen
- alles bei 180°C für 40 Min in den Ofen stellen
- nach dem Rausholen mit Puderzucker bestreuen
- mjamm

Dazu dann ein leckeres Heißgetränk nach Wahl und ab aufs Sofa. Und schon ist der Tag gerettet. Auch bei Regen.


Guten Appetit,

Diana


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Donnerstag, 3. August 2017

Klicken was das Zeug hält?

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Oder: warum mir die digitale Welt mal wieder den letzten Nerv raubt.

Das ist ein Thema, was bei mir immer mal wieder aufkommt, über das ich schimpfe, aber nie schreibe oder podcaste. Es kommt auf wie eine große Flutwelle, ebbt danach aber meistens auch wieder ab. Zur Zeit befinde ich mich wieder einmal mittendrin.

Es ist kein Geheimnis, dass die Welt sich immer mehr digitalisiert, dass alles, was man macht, irgendwo eingegeben und ausgewertet wird. Bei der Arbeit wurden uns in den letzten Monaten einige Apps aufgedrückt. Eine für die Buchung von Firmenfahrkarten (funktioniert mehr schlecht als recht und manchmal auch gar nicht). Eine weitere, wo man diese dann abrechnet (umständlich und zeitraubend). Dann gibt es noch eine, womit man Züge tracken kann, ob sie wann von wo fahren und dann noch eine, wo man gucken kann, wo man als Mitarbeiter günstiger Kaffee bekommt. Es wird gerade eine weitere App entwickelt, über die man dann seinen Urlaub einreichen soll. Also noch mehr App-Müll fürs Handy. Und wofür? Weil alles ja so schön praktisch und schnell ist. Praktisch und schnell? Nunja. Für jeden Pups, den man tut, gibt es eine separate App. Wäre alles in einer Arbeitsapp vereint, dann könnte ich mich dazu hinreißen lassen, das ganze praktisch zu finden. Aber so? So bin ich schon genervt, wenn ich nur daran denke. Die Firma hat noch mehr in Petto, was in nächster Zeit an den Start gehen soll. Alles in App-Form, natürlich alles separat. Wer blickt denn da noch durch? Ich habe auch überhaupt keine Lust, das alles über den kleinen Handybildschirm zu machen. Bei den ganzen Icons muss man erstmal den richtigen finden… Um den ganzen Kram auszudrucken, muss ich es erstmal abspeichern und dann per Kabel oder Mail vom Handy ziehen, um es abheftbar auszudrucken. Speichen in Clouds? Toll, klasse, schön noch mehr meiner persönlichen Daten in Clouds ablegen, fantastisch. Was soll das alles?

Wie, Du hast noch einen Papierkalender??

Weiter geht es im privaten Bereich. „Warum hast Du denn noch einen Papierkalender?“. Weil es das Internet gar nichts angeht, was ich wann vorhabe und wann ich nicht zu Hause bin. Kopfschütteln meines Gesprächspartners. „Aber es wird doch alles so schön synchronisiert.“ Fein, aber ich hätte gerne meine Termine so im Griff, dass ich nichts synchronisieren muss. Ich will mich nicht mit Terminen vollschmeißen, so dass ich den Überblick verliere. Ich mag Papierkalender. Da kann man drin rummalen. Den kann nur ich einsehen. Ein winziges Stückchen echte Privatsphäre in dieser grässlich überdigitalisierten Welt. Ich kenne Leute, die haben Apps für alles, was man sich vorstellen kann. Überall kann man seine „Daten“ einfüllen. Ich trinke 8 Gläser Wasser am Tag. Ich habe 12,87 € im Monat für Schnickschnack ausgegeben.  Ich bin 5x im Monat laufen gegangen; mein Fitnesstracker verleiht mir eine Silbermedaille. Bravo! Und wofür? Wer interessiert sich in drei Jahren noch für seine eigenen Statistiken (außer der Werbeindustrie)?  Überall muss man sich anmelden, um up to date zu sein oder um überhaupt irgendwo mitmischen zu können. Sich treffen, sich zusammensetzen und Dinge organisieren, das gibt es kaum noch. Alles wird über Whatsapp, Facebook und Doodle geregelt. Sicher, das kann mal praktisch sein, aber es nimmt einfach überhand, weil alles nur noch so gemacht wird. Wer sich da nicht anmeldet, kann halt nicht mitmachen (bei was auch immer). Es wird verlangt und erwartet, dass man sich in alle Richtungen vernetzt. Damit man immer alles mitkriegt, immer alles sammelt und speichert, Fotos, Daten, persönliche Dinge, alles online, immer bereit, immer fein aufbereitet und in eine feine Statistik verpackt. Das ganze Leben ist ein digitales Tortendiagramm.

Mir wird das langsam zu viel. Wenn ich daran denke, wieviel Zeit man im Schnitt damit verbringt, Inhalte in all diese Programme und Progrämmchen zu füllen, wieviel Lebenszeit man damit verplempert, ganz private Dinge ins Internet zu schreiben, nur um „perfekt organisiert“ zu sein… Mir schwirrt der Kopf. Denn es geht ja noch weiter. Beispiel Facebook. Was da an Fotos hochgelanden wird, das ist gruselig. Mal ein-zwei Schmankerl, das ist ja ganz nett, aber es gibt Menschen, die breiten Ihren kompletten Urlaub dort aus. Mir selber würde das eine ganze Menge kaputt machen. Meine Erlebnisse, meine Freude, meine Gedanken und Empfindungen während einer Reise sind mein ganz eigenes Gut, an denen ich nur ganz ausgewählte Menschen teilhaben lassen möchte. Wenn ich mir mehreren Leuten unterwegs bin und fotografiere, dann kommt irgendwann die Frage auf „Stellst Du Deine Fotos auch online? Brauchst auch nicht vorher sortieren“. Hallo? Nein, sicherlich nicht. Ich habe immer ein leicht schlechtes Gewissen, weil ich mit meinen Bildern so knauserig umgehe, aber einfach alles unsortiert der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, das mache ich grundsätzlich nicht. Ich bitte auch immer darum, dass die Bilder keinesfalls bei Facebook eingestellt werden sollen. Ich ernte dafür meistens Unverständnis. Das führt so weit, dass ich die Bilder gar nicht rausgebe und mir weiteren Unmut zuziehe, aber das ist mir egal. Fotos sind für mich ganz persönliche Momentaufnahmen, die ich nicht in die Welt herauströten möchte. Ich kann nicht ausreichend erklären, warum das so ist, aber ich möchte nicht, dass das Internet in meine innere Gedankenwelt blickt. Ich kann mich eben nicht nur darüber definieren, dass ich massenhaft Bilder von dem, was ich erlebe, ins Internet hochlade. Vielleicht sollte ich wieder dazu übergehen, analog zu fotografieren. Das macht mir im Grunde sowieso mehr Spaß. Denn was habe ich davon, wenn 76589 Menschen ein Foto von mir „liken“? Wenn das teils auch Leute sind, die ich gar nicht kenne, weil durch teilen und Freundesfreunde irgendwie doch jeder Zugriff auf meinen Kram hat, auch wenn man das angeblich abstellen kann? Was bringt es mir? Was gibt es mir? Facebook ist eine Krake, die immer schlimmer wird. Ist man dort nicht angemeldet, verliert man zu vielen Leuten einen lockeren Kontakt. Leute, mit denen man ab und an mal ein paar Worte wechselt, mit denen man aber nicht stundenlang telefonieren würde. Lose Bekanntschaften eben. Die würden mir teilweise schon fehlen. Es gibt ja so Leute, mit denen ist man nicht im herkömmlichen Sinne befreundet, sondern eben bekannt und über FB gibt es halt ab und zu mal einen netten Smalltalk. Hebt das aber das Negative auf? Die ewigen Grundsatzdiskussionen zu politischen Themen, die mir sowas von zum Halse raushängen, dass ich schon Leute blockiert habe, weil ich das nicht mehr ertrage. Die sinnlosen Diskussionen in Gruppen,  wo sich die Leute einfach nur um Nichtigkeiten streiten, als gäbe es kein Morgen, um dann beleidig das Feld zu räumen. Ich meide zwar dort Gruppen, aber was mir von anderen Leuten angezeigt wird, kann ich nur bedingt steuern. Mich belastet das; mich nervt das. 

Ein schleichender Prozess, der einem immer mehr aufzwängt

Es wird einem so viel aufgedrängt und man kann sich dagegen nur abschotten, wenn man diese Webseiten einfach gar nicht besucht. Entweder – oder. Anders geht es gar nicht. Eine teilweise und entspannte ab-und-zu-mal-Nutzung scheint kaum machbar.  

Immer mal wieder rauscht all das auf mich ein und ich fühle mich einfach nur noch gestresst. „Guck hier, klick da, registriere Dich dort, wir müssen uns zusammenfinden.“ Am liebsten würde mich manchmal gerne überall abmelden und das Netz das Netz sein lassen. Ich würde es gerne in dem geringen Umfang nutzen, der mir gut tut und den ich auch als Bereicherung ansehen kann. Ich würde mir wünschen, dass die Leute akzeptieren würden, dass ich keine Lust auf ein volldigitales Leben habe und dass ich z.B. nur für mich fotografiere und für niemanden sonst. Ich kenne wenige, die das verstehen. Aber leider auch sehr viele, die darüber die Nase rümpfen. All das ist gerade eine große Belastung für mich, und ich merke, dass ich aussortieren muss. Dass ich gucken muss: wo will ich noch mitmischen und wieviel. Doch wie macht man das?

Mögliche Maßnahmen

Ich habe in den letzten Tagen alles von meinem Handy gelöscht und deaktiviert, was ich definitiv nicht nutze. Ein paar wenige Anwendungen sind geblieben und ich weiß jetzt schon: die anderen werde ich gar nicht vermissen. Die Benachrichtigungstöne für Whatsappgruppen sind komplett ausgeschaltet, so dass ich nicht immer sofort mitbekomme, dass es neue Nachrichten gibt. Denn Hand aufs Herz: wenn das Handy piept, guckt man doch häufiger drauf als wenn es still ist. 
Dann gibt es noch so einige Foren, bei denen ich angemeldet bin, aber schon lange nichts mehr schreibe. Ich bin dort aus nostalgischen Gründen immer noch registriert, weil ich denke, wenn ich zurück will, will ich das unter meinem bestehenden Usernamen. Aber im Grunde ist es völlig egal. Es ist nicht wichtig, ob man mir alle Inhalte von vor fünf Jahren noch zuordnen kann oder nicht. Wenn ich diese stillgelegten Accounts einfach löschen lasse, bin ich sie los und ich glaube, dass mir das momentan ganz gut entgegen kommen würde. Und vermutlich werde ich die auch nicht vermissen. Und falls doch… hält mich keiner auf, wenn ich mich neu anmelde.

Das Wenige, was mir wirklich Spaß macht im Netz ist z.B. Ravelry. Die Gruppen, in denen ich mich bewege, sind spannend. Die Leute sind entspannt und man tauscht sich einfach aus. Kein Neid, keine Grundsatzdiskussionen, kein Streit. Eine kleine, heile Wollwelt, die für mich eine kleine Internetoase ist, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ich mag es auch total, auf verschiedenen Blogs zu lesen, die ich mir mit der Zeit zusammengesammelt habe. Es gibt ganz tolle Seiten, die informativ und inspirierend für mich sind. Das gilt auch für Podcasts zu unterschiedlichen Themen. Die kann ich mir aufs Ohr setzen, während ich stricke oder im Garten buddle. Perfekt! Ein bisschen abgekommen bin ich von den meisten Videopodcasts, was unter anderem daran liegt, dass ich nicht so viel „in die Röhre gucken“ möchte. Ich lese auch gerne mal ein richtiges Buch. Also das mit den Papierseiten, nicht auf dem Ebook-Reader. Der Duft von altem Buchpapier ist unschlagbar; eingewickelt in eine Wolldecke vor dem Kamin oder draussen auf dem Sofa im Schatten liegend.

Ich bin gespannt, wie sich das noch so weiterentwickelt. Nicht nur generell auf der Welt sondern auch im Freundes- und Bekanntenkreis oder bei der Arbeit. Ich werde jedenfalls ein ganzes Stück zurückrudern und mich auf das wenige konzentrieren, was mich wirklich bereichert und mich inspiriert. Mich ganz vom Internet und der digitalen Welt abwenden will ich mich gar nicht. Ich möchte es nur so nutzen, dass es mir nicht die Nerven raubt. Das ist nicht ganz einfach, aber ich schaue mal, wie ich da einen Dreh hineinbekomme. 

Wenn Ihr bis hierhin gelesen habt, sage ich danke. Vielleicht geht es Euch ja ganz ähnlich.

Viele Grüße und Ahoi, 
Diana 


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